Kongress gegen Gewalt und Machtmissbrauch

Der erste Schweizer Kongress gegen Gewalt und Machtmissbrauch, der am Wochenende vom 22./23. September 2000 in Bern stattgefunden hat, leistete einen konstruktiven Beitrag zu wichtigen Fragen der Abhängigkeit und war ein grosser Erfolg.

Namhafte Fachleute aus den Bereichen Therapie und Medizin, Justiz und Polizei, Bildung, Erziehung und Kirche zeigten am Kongress Hintergründe auf, die zur Ausnützung von Abhängigkeitsverhältnissen führen können. Mehr als 200 Personen aus den genannten Bereichen nahmen teil und führten in diesem Bereich erstmals einen interdisziplinären Dialog.

Die in diesem Sommer veröffentlichten Resultate der Rekrutenbefragungen 1997 durch das „Institut de police scientifique et de criminologie“ in Lausanne zeigten erneut den dringenden Handlungsbedarf in der Arbeit mit jungen Männern: 14% oder 2´967 der befragten 20-jährigen Schweizer haben angegeben, wissentlich innerhalb der letzten 12 Monate mindestens eine Person sexuell genötigt zu haben; 330 sogar unter Androhung von Gewalt.

Am Kongress wurden auch einige Institutionen ausgezeichnet: Ein erster Preis ging an das „mannebüro Zürich“, das sich mit Männergewalt befasst und so einen Beitrag zur Prävention von Machtmissbrauch leistet. Ein zweiter Preis ging an die HIBO-Gruppe („Hilfe für bedrohte Opfer“) der Stadtpolizei und der Bezirksanwaltschaften Zürichs für ihren neuen Ansatz in der Ermittlung gegen häusliche Gewalt.

Das Schwergewicht des Kongresses lag auf dem Verhindern von missbräuchlichem Verhalten von Fachleuten. Dabei ging es um berufsethische Richtlinien, die klar festlegen müssen, dass jede sexuelle Handlung durch Fachleute im Rahmen einer professionellen Tätigkeit ein Verbrechen darstellt und nicht als tolerierbares Verhalten abgehandelt werden kann. Durch erhebliche Folgekosten, welche die Allgemeinheit über die Kranken-, Erwerbsausfall- und Invalidenversicherung zu tragen hat, ist die Öffentlichkeit ebenfalls von den Grenzverletzungen von Fachleuten betroffen.

Das Ziel der Kongressorganisatoren ist es, sich dafür einzusetzen, dass Fachleute aus dem Gesundheitswesen, der Arbeitswelt und der Kirchen in der Aus- und Weiterbildung einen fundierten Überblick über das Problem des Machtmissbrauchs erhalten.

Ob die Ausnützung von Abhängigkeitsverhältnissen im beruflichen Umfeld, in der Schule oder in der Freizeit, im Sport- oder Musikunterricht oder innerhalb der Familie passiert, die Folgen für die Betroffenen können überall gravierend sein und sie ein Leben lang beschäftigen.
Der zweite Kongress, der für November 2001 bereits geplant ist, wird sich mit Interventionsmöglichkeiten bei Machtmissbrauch befassen.

Danach wird sich die Kongressorganisatorin – die „Arbeitsgemeinschaft gegen die Abhängigkeit von Ausnützungsverhältnissen“ (AGAVA) – dem Thema Prävention von Machtmissbrauch widmen. Weitere Aktivitäten in der Aus- und Weiterbildung und in der Vermittlung von Dienstleistungen sind geplant.

(Kirchlicher Informationsdienst kid)