Der grosse Denkmalsturz
Die «Black Lives Matter»-Bewegung hat als neues, konkretes Ziel der Wut die Denkmäler kolonialer Herrschaft ausgemacht: Weltweit werden Statuen von Sklavenhändlern und Kolonisatoren, Generälen und Entdeckern abgerissen, geköpft, in Flüsse geworfen. Oder ganz offiziell von den Behörden abgebaut. «Réparons l’Histoire» heisst eine belgische Gruppe von Aktivistinnen und Aktivisten. Aber ist es nicht Hybris, zu denken, dass man die Geschichte reparieren könne? Derweil werden Kulturgüter zerstört, die auch der Mahnung kommender Generationen dienen könnten. Und es stellt sich die Frage: Wo zieht man die Grenze? Ist George Washington noch haltbar, der Hunderte Sklaven besass? Müsste man nicht Kolumbien umbenennen? In Grossbritannien haben Aktivist*innen bereits Winston Churchill aufgrund seiner kriegerischen Kolonialvergangenheit aufs Korn genommen. Kann man den vielleicht bedeutendsten Gegner Nazideutschlands tatsächlich vom Sockel stossen? Und was ist mit den vielen Statuen von Kaiser Wilhelm II. und Otto von Bismarck in Deutschland? Ist das eine längst überfällige Abrechnung mit unserer blutigen kolonialen Vergangenheit?
