J’ai toujours rêvé d’être un gangster

Der Traum vom Bösewicht ist faszinierend und doch gelingt es den Wenigsten, diesen auch wirklich zu leben. So sind die Figuren in dieser ironischen Komödie allesamt missglückte Ganoven, die wir sehr schnell ins Herz schliessen. In einem verstaubten Café an der Autobahn in der Nähe von Paris begegnen sie sich: ein Amateur-Verbrecher, dessen Opfer ausgerechnet eine Möchtegern-Ganovin ist; zwei Kidnapper, die eine Jugendliche entführen und dabei alles falsch machen; ein Sänger, dem die Inspiration abhanden gekommen ist und der seinem Kollegen die Lieder klaut; sowie fünf Betagte, die aus dem Altersheim fliehen, um den Duft des Abenteuers zu riechen. Sie alle sind tragikomische Charakteren, die sich durch das Schwarz-Weiss-Dekor kämpfen.

Der französische Regisseur, Schauspieler und Schriftsteller Samuel Benchetrit zeigt seine Figuren mit einem liebenden Blick. Leicht und unterhaltsam sowie mit einem ausserordentlich grossen Verständnis für die Widerstände des Alltags inszeniert er die Ganovenschicksale. Dabei schimmert immer der Schalk zwischen den Szenen durch. Der Regisseur entlässt sein Publikum nicht ohne eine Liebesgeschichte. Die versöhnliche Geste ist Teil dieses tragikomischen Universums, das den Verlierer-Typus und seine Befindlichkeit in den Mittelpunkt stellt. Und so versöhnt der Film mit dem allzumenschlichen Schicksal des unerfüllten Traumes.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

„J´ai toujours rêvé d’être un gangster“, Frankreich 2007, Regie: Samuel Benchetrit, Besetzung: Anna Mouglalis, Edouard Baer, Jean Rochefort, Laurent Terzieff; Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch

Kinostart: 3. Juli 2008