Iraner gewinnt Preis der Ökumenischen Jury

(medientipp) An den 61. Filmfestspielen in Berlin zeichnete die Ökumenische Jury Asghar Farhadi für «Nader and Simin, A Separation» aus, der mit dem Goldenen Bären auch gleich den Hauptpreis gewann.

«Nader and Simin, A Separation» (im Originaltitel «Kodaeiye Nader az Simin») erzählt von Simin und Nader, die gemeinsam mit ihrer Tochter den Iran verlassen wollen. Alle Vorbereitungen sind getroffen, bis Nader von Bedenken geplagt, die Reise abbricht. Er möchte den an Alzheimer erkrankten Vater nicht alleine zurücklassen. Simin reicht darauf beim Familiengericht die Scheidung ein und zieht aus der ehelichen in die elterliche Wohnung zurück. Der Film umfasse Themen wie das Eltern-Kind-Verhältnis, Trennung, ethische Entscheidungen, Gerechtigkeit und religiöse Übereinkünfte. Durch die Einladung an den Zuschauer, sich auf mögliche Lösungen einzulassen, gewinne der Film an Kraft. Er beschreibe verschiedene moralische Standpunkte in einer realistischen und kulturell sensiblen Weise, schreibt die Ökumenische Jury in ihrer Begründung. Eine lobende Erwähnung erhielt der ebenfalls im Wettbewerb stehende «The Forgiveness of Blood». Der Film zeige eindrücklich einen Sohn, der mit seinem Handeln Verantwortung für seine Familie in der von Blutrache geprägten Gesellschaft Albaniens übernehme.

In den Sektionen Panorama und Forum, vergab die Ökumenische Jury Preise, die mit jeweils 2500 Euro dotiert sind und von der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland gestiftet werden. Im Panorama gewann die israelisch-deutsche Produktion «Lo Roim Alaich» («Invisible»), die von Vergewaltigung handelt. «Er (der Film) zeigt mit Empathie und grossem psychologischem Einfühlungsvermögen die komplexe Gefühlswelt und das Verhalten zweier Opfer», begründet die Jury. Dieser erste Spielfilm des Regisseurs Michal Aviad beruht auf Fakten. Der Preis im Forum ging an «En Terrains Connus» von Stéphane Lafleur. Der Kanadier erzählt in einer originellen Machart, wie kleine «Unfälle» menschliche Beziehungen verändern.

Mitglieder der Ökumenischen Jury waren: Dietmar Adler (Deutschland), Gabriele Carunchio (Italien), Julienne N. Munyaneza (Grossbritannien), Peter Sheehan (Jurypräsident, Australien), Lothar Strüber (Deutschland), Jean-Michel Zucker (Frankreich)

Weitere Informationen

Die Begründungen der Ökumenischen Jury im Wortlaut bei Interfilm 

Interviews mit Asghar Farhadis auf Arte und 3sat

Dossiers zur Berlinale auf Arte und 3sat und SR DRS

Offizielle Festivalsite