Internettipp: Die virtuelle Diözese Partenia
Zur Entstehung der ersten Diözese im Internet kam es durch die Notlage eines Bischofs. Anfang 1995 wurde der Bischof der nordfranzösischen Diözese Evreux, Jacques Gaillot, nach längeren Auseinandersetzungen vom Papst strafversetzt – und zwar in ein Bistum, das es faktisch gar nicht mehr gibt: das nordafrikanische Partenia, das seit dem 5. Jahrhundert unter dem Sand der Sahara verschwunden ist.
Derart seiner Möglichkeiten als Bischof beraubt, richtete Gaillot ein Bistum im Internet ein und verwirklichte so seine Vision von einer grenzenlosen Diözese, die an kein Territorium gebunden ist. Auf der Website schreibt er: „Partenia eröffnet einen Raum der Freiheit, in welchem man sich begegnen und miteinander sprechen kann, wie auf öffentlichen Plätzen.“ Ohne Einschränkungen seitens des Vatikans kann Jacques Gaillot hier die Kirche praktizieren, wie er sie sich idealerweise vorstellt. Schon in Evreux sah Gaillot die Hauptaufgabe seines christlichen Wirkens in der Solidarität mit allen Ausgestossenen und Schwachen – Drogenabhängigen, Obdachlosen, Ausländern, Arbeitslosen und Armen.
Die Website http://www.partenia.com besteht einerseits aus Schriften Gaillots, andererseits aus einem offenen Forum, wo jeder seine Gedanken äussern kann. Briefe Gaillots an seine Gemeinde, ein elektronischer Katechismus mit monatlich zwei neuen Texten und ein „Logbuch“, in dem Gaillot über seine Begegnungen, Erlebnisse und Erfahrungen spricht, sind Bestandteile der Internetseite. Die virtuelle Diözese ist in Französisch, Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch und Niederländisch zugänglich.
In den Blickpunkt des Interesses ist Partenia jüngst wieder gelangt, weil die französischen Bischöfe mit Jacques Gaillot Frieden geschlossen haben. An einer ökumenischen Feier am 13. Mai 2000 in Lyon wurde die Versöhnung besiegelt.
