Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen
Die christliche Wohngemeinschaft par excellence befindet sich in Jerusalem auf dem Hügel Golgotha. Seit Jahrhunderten streiten sich hier sechs christliche Konfessionen um ihren Platz in der Nähe des Jesusgrabes: griechisch-orthodoxe Christen, römisch-katholische Franziskaner, syrische Christen, armenische Christen und äthiopische Abessinier und ägyptische Kopten. An Feiertagen kommt es gelegentlich zu absurden Situationen. Menschlich, allzu menschlich geht es hier zu und her. Die Fallhöhe zwischen dem Ideal der Nächstenliebe und dem Alltag in der Grabeskirche ist enorm. So schauen wir diesem neidischen Getue mit dem distanzierten Blick des Dokumentaristen zu.
Ungläubiges Staunen vermischt sich mit dem neugierigen Blick auf das realexistierende Christentum. Der Status quo stammt aus der osmanischen Zeit. Seitdem sind die Abessinier auf dem Dach zuhause und die Kopten haben eine kleine Kapelle an der Rückwand der Grabeskirche. Den Zugang zum eigentlichen Grab teilen sich die anderen christlichen Konfessionen. Ergänzt wird dieser Reigen durch zwei muslimische Vertreter, die sich das Recht teilen, die Türe der Grabeskirche aufzuschliessen. Die leidvolle Zerrissenheit Jerusalems spiegelt sich hier im Mikrokosmos. Ruhe und Frieden kehrt erst in der Nacht ein, wenn die Mönche mit der Anbetung beginnen. Dann wird dieser Ort zum Zentrum der mystischen Versenkung und der spirituellen Sehnsucht.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
„Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen“, Schweiz/Deutschland 2010, Regie: Hajo Schomerus, Dokumentarfilm; Verleih: Columbus Film AG, Internet: http://www.columbusfilm.ch, Filmwebsite: http://www.imhausmeinesvaters.x-verleih.de/
Kinostart: 1. April 2010
Ostern in der Grabeskirche
mit dem Bibelwissenschaftler Othmar Keel
