Il y a longtemps que je t´aime

Nach 15 Jahren wird Juliette aus dem Gefängnis entlassen. Die Schwere ihrer Tat lastet unausgesprochen auf ihr. Ihre Eltern hatten sie damals verstossen, dennoch wird sie nun in der Familie ihrer jüngeren Schwester Lea aufgenommen. Lea kann sich zwar kaum mehr an die gemeinsame Kindheit erinnern, setzt aber alles daran Juliette den Einstieg ins «normale» Leben möglichst angenehm zu gestalten. Die beiden Schwestern haben sich während der gewaltsamen Trennung entfremdet. Juliette ist verschlossen und reagiert überfordert auf die direkten Fragen und die Herzlichkeit von Leas Adoptivkindern. Die beiden Mädchen schliessen die bisher unbekannte Tante schnell in ihr Herz, während sich Luc, der Schwager, mit dem ungebetenen Gast in seinem Haus schwer tut.

Der Ungang der beiden Schwestern ist zunächst von Sprachlosigkeit geprägt. Juliette ist zwar aus dem Gefängnis entlassen worden, dennoch ist sie immer noch eingeschlossen – in sich selbst. Nur langsam beginnt die Mauer, die sie um sich aufgebaut hat zu bröckeln. Die Geborgenheit und Offenheit, die sie in Leas Familie erlebt, fördern langsam aber stetig die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und ebnen den Weg zurück ins Leben. Philippe Claudels ergreifende Geschichte um Versöhnung und Vergebung sowie die Bedeutung familiärer Bande wurde in Berlin 2008 mit dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet.

Monica Lienin, Redaktorin Medientipp
monica.lienin@medientipp.ch

«Il y a longtemps que je t´aime», Frankreich 2007, Regie: Philippe Claudel, Besetzung: Kristin Scott Thomas, Elsa Zylberstein, Serge Hazanavicius, Laurent Grévill; Verleih: JMH Distributions SA, Internet: http://www.jmh-distribution.ch, Filmwebsite: http://www.ilyalongtempsquejetaime-lefilm.com

Kinostart: 11. September 2008

Filme als Trauerarbeit – Eindrücke von der Berlinale 2008:
https://www.medientipp.ch/index.php?na=4,4&meid=90298