Il Giardino del Re (3/19)
Wieviel ist ein Menschenleben in unserer Gesellschaft wert? Eine Frage, auf die es viele Antworten, aber wohl keine richtige gibt. Silvio Soldini gelingt es mit seinem neuen Film «Il Giardino del Re (3/19)», diese Antworten aufzugreifen, ohne mit dem Finger zu zeigen.
Die Wirtschaftsanwältin Camilla arbeitet rund um die Uhr für die multinationale Hochfinanz. Für ihre 19-jährige Tochter und ihren Liebhaber bleibt kaum Zeit. Nach einem Streit mit ihrem Chef stürmt Camilla aus dessen Taxi und gerät in jener regnerischen Nacht an einen Rollerunfall mit tödlichem Ausgang. Camilla findet heraus, dass der getötete Beifahrer ein illegaler Einwanderer war. Sie begibt sich auf die Suche nach seiner Herkunft und wird dabei zunehmend mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert.
«Il Giardino del Re» ist einerseits eine Charakterstudie von Camilla, die ihre Gefühle zu lange verdrängt und ihre Familie zu lange vernachlässigte. Anderseits ist der Film eine politische Anklage, wie wir mit geflüchteten Personen umgehen. Silvio Soldini gelingt es auf elegante Weise, die persönliche Geschichte von Camilla mit der europäischen Flüchtlingspolitik zu verbinden. Dabei wirkt die Inszenierung niemals erklärend oder didaktisch.
Der Film wirkt oft wie eine Mischung aus Finanzthriller und Familiendrama. Ein Genremix, den er nie ganz erfüllen kann. Aber schliesslich spielt das keine grosse Rolle. Denn wenn der Abspann läuft, müssen wir uns selbst fragen: Wieviel ist ein Menschenleben wert? Ein Appell mit Nachhall.
Silvan Maximilian Hohl, Filmemacher und Multimediaproduzent
«Il Giardino del Re (3/19)», Italien 2021; Regie: Silvio Soldini; Darsteller*innen: Kasia Smutniak, Francesco Colella, Caterina Forza; Verleih: Filmcoopi Zürich, Filmwebsite: https://www.filmcoopi.ch/movie/il-giardino-del-re
Ab 7. Juli 2022 im Kino – aktuell gratis zum Streamen auf playsuisse
