Hugo Koblet – Pédaleur de charme
Dieser Film fegt. Wenn Hugo Koblet über die Leinwand radelt, kommen Radsportfans und Nostalgikerinnen voll auf ihre Kosten. Aufstieg und Fall der Schweizer Velolegende wird in einem Mix aus Originalaufnahmen und gespielten Szenen mit Manuel Löwensberg in der Rolle des feschen Hugi präsentiert. So leben die 50er- und 60er-Jahre in mitreissenden schwarz-weiss Sportreportagen und ein wenig kitschig eingefärbtem Retroschick wieder auf. Das Herzstück des Films sind jedoch die Interviews mit den hochbetagten Weggefährten Koblets – allen voran sein Mitstreiter und Konkurrent Ferdy Kübler –, aber auch mit seiner einstigen Verlobten, der österreichischen Schauspielerin Waltraud Haas.
Viel Material füllt den Film und die gespielten Szenen wirken auf den ersten Blick wie eine Bebilderung des in den Interviews Erzählten. Allerdings bestätigen sie das Bild des Strahlemanns Koblet, dessen Weste so blendend leuchtete wie seine Zähne. Bei der heiklen Frage nach dem Doping erscheint er zunächst als strammer Sportler, der keine Mittelchen nötig hatte, später als naives Opfer des Ehrgeizes anderer. Und wie seine Ehe im Innersten wirklich aussah, kann man nicht wissen. Der Film liebt seinen Helden und hält Kritisches weitgehend fern. Dies ist freilich eine Detailbeobachtung, die dem Informations- und Unterhaltungsfaktor der bunten Dokumentation wenig Abbruch tut.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Hugo Koblet – Pédaleur de charme», Schweiz 2010, Regie: Daniel von Aarburg, Besetzung: Ferdy Kübler, Manuel Löwensberg, Sarah Bühlmann; Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures, Filmwebsite: http://www.hugokoblet.ch
Kinostart: 16. September 2010
