Hörspiel. «Gift» von Lot Vekemans
Nach mehr als zehn Jahren kommt ein ehemaliges Ehepaar zusammen, an dem Ort, wo ihr Kind begraben liegt. Sie haben nach der Scheidung unterschiedliche Wege eingeschlagen, mit dem Tod ihres Kindes umzugehen. Der Mann ist weggegangen, hat versucht, ein neues Leben zu beginnen, ist eine neue Beziehung eingegangen, wird bald ein neues Kind bekommen. Die Frau ist geblieben, im gemeinsamen Haus, hat sich einsam der Trauer überlassen und kann den Gedanken an Veränderung nicht ertragen. Der Anlass des Treffens ist ein Brief, in dem die Umbettung des Kindes angekündigt wird. Im Boden des Friedhofs wurde Gift gefunden. Zum ausgemachten Zeitpunkt lässt sich von der Friedhofsverwaltung niemand blicken. Das getrennte Elternpaar wird mit sich allein gelassen. Der Hörer wird Zeuge einer unsicher tastenden Suchbewegung zweier Menschen, die erst ein Kind verloren haben, dann sich selbst und dann einander
