Hinter den Wolken

Emma hat gerade ihren Mann Frederik beerdigt, der lange krank und mehr mit seiner Firma verheiratet war, als mit ihr. Bei der Beerdigung trifft sie Gerard wieder, den ehemals beste Freund von Frederik. Ehemals, weil Gerard in Emma damals seine grosse Liebe fand. Nach 50 Jahren fühlt er immer noch genauso und versucht sein Glück erneut, denn er hat nichts mehr zu verlieren. Emma ist entrüstet über seine Avancen, merkt aber, dass sie ähnlich fühlt. Das schlechte Gewissen plagt sie trotzdem, erst recht, als ihre Familie von der heimlichen Liaison Wind bekommt.

Der belgische Film über Liebe im Alter trifft mit seiner unaufgeregt erzählten Geschichte und dem realitätsnahen Szenario direkt ins Herz. Chris Lomme und Jo De Meiere geben ein sympathisches Liebespärchen ab, das sich nach langer Suche endlich findet. Erfreulicherweise wird dabei nichts beschönigt. Schon wie Andreas Dresens wunderbarer Film «Wolke 9» (2008) verzichtet auch das belgische Pendant nicht darauf, Sex im Alter zu thematisieren. Die Zipperchen und Wehwehchen, mit denen man ab einem gewissen Jahrgang rechnen muss, kommen auf ironische Weise zur Sprache. Interessant ist es zu sehen, wie das Umfeld auf diese Beziehung reagiert, zumal Protagonistin Emma damit gleich mehrere Tabus bricht. Regisseurin Cecilia Verheyden ist mit ihrem Debütfilm ein gleichermassen sensibler wie liebevoller, nachdenklicher und manchmal sogar neckischer Blick auf die Liebe gelungen – nicht nur die im Alter.

Sarah Stutte, Filmjournalistin

«Hinter den Wolken», Belgien 2016, Regie: Cecilia Verheyden, Besetzung: Chris Lomme, Jo De Meiere, Charlotte de Bruyne; Verleih: Cinejoy Movies, http://www.cinejoymovies.ch

Kinostart: 26. Januar 2016