Happy-Go-Lucky
«Wie sieht die denn aus?», dürfte die erste Reaktion sein, wenn man Poppy zu Gesicht bekommt und «Was hat die denn genommen?», wenn man sie eine Weile in Aktion gesehen hat. Die 30-jährige Londoner Grundschullehrerin ist aber weder verrückt noch auf Drogen, sie hat nur einen quietschbunten Kleidungsstil und ein geradezu aufreizend sonniges Gemüt.
Mit der beschwingten Komödie «Happy-Go-Lucky» zu Deutsch «unbeschwert» hat Mike Leigh bei der letzten Berlinale für Staunen und Begeisterung gesorgt. Staunen, weil sie für den als Meister des sozialrealistischen Melodramas bekannten Briten nicht dem Vorurteil entspricht. Der Titel eines seiner anderen Filme «Bleak Moments» («trostlose Momente») ist symptomatisch. Begeisterung nicht zuletzt, weil Hauptdarstellerin Sally Hawkins diese Poppy mit grandiosem Charme und Schwung spielt. Um diese Darstellung herum ist der Film, der ohne Drehbuch während der Proben entwickelt wurde, aufgebaut – um Poppys oft hochkomische Interaktion mit anderen, speziell mit dem von Eddie Marsan kongenial gespielten Fahrlehrer, einem Ausbund an Bitterkeit und Ressentiments. Dabei gelingt es Hawkins und Leigh, uns allmählich auf Poppys Seite zu ziehen; sie wird zur Folie für unsere eigenen Befindlichkeiten: Wenn uns ihr gutgelaunter Daueroptimismus enerviert, sind vielleicht wir es, mit denen etwas nicht stimmt? Haben wir es etwa aufgegeben, an Glück zu glauben, in der Kunst wie im Leben?
Julia Marx, Filmpublizistin
«Happy-Go-Lucky», Grossbritannien 2008, Regie: Mike Leigh, Besetzung: Sally Hawkins, Eddie Marsan, Alexis Zegerman; Verleih: Pathé Films AG, Internet: http://www.pathefilms.ch, Filmwebsite: http://www.happy-go-lucky-movie.co.uk
Kinostart: 21. August 2008
