Grünes Licht für gesamtschweizerische Filmzeitschrift
Im nächsten August wird eine neue gesamtschweizerische Filmzeitschrift erscheinen. Dies hat der Rat der Stiftung Ciné-Communication einstimmig beschlossen und an den Solothurner Filmtagen öffentlich mitgeteilt. Mit zwei unabhängigen Ausgaben für die französisch- und die deutschsprachige Schweiz und der Einbindung der bestehenden Filmzeitschriften ZOOM und CINEBULLETIN bündelt die neue Zeitschrift die Kräfte und strebt eine Führungsrolle unter den Schweizer Filmpublikationen für ein anspruchsvolles Publikum an.
Damit entsteht in der Westschweiz eine schon lange gewünschte neue Filmzeitschrift. In der Deutschschweiz wird der Start durch das Zusammengehen mit ZOOM erleichtert, dessen bestehende Abonnentinnen und Abonnenten von August an eine Mehrleistung erhalten werden. CINEBULLETIN, das vor allem branchenspezifische Themen behandelt, kann als eigenständige Publikation oder als Beilage zur neuen Zeitschrift abonniert werden. Damit verbindet die neue Schweizer Filmzeitschrift die Stärken des Projektes BLOW UP mit den Erfahrungen von ZOOM, der bisher führenden Filmpublikation der Deutschschweiz.
Die neue Monatszeitschrift orientiert ein interessiertes Publikum über das aktuelle filmkulturelle Angebot in den Schweizer Kinos. Dabei legt sie ein besonderes Augenmerk auf den Schweizer Film und auf das internationale unabhängige Filmschaffen. Die kulturpolitische Chance des Projektes liegt im Dialog zwischen den Sprachregionen.
Je eine Redaktion in der Deutsch- und der Westschweiz werden eng miteinander zusammenarbeiten, tragen aber getrennt die Verantwortung für Budget, redaktionellen Inhalt und die Erreichung der gesetzten Wachstumsziele. Erst durch die Bündelung der Kräfte konnte die wirtschaftliche Grundlage für ein sprachregionenübergreifendes Projekt geschaffen werden. Der Stiftungsrat, der sich aus Vertretern der Filmbranche, Filmkennern und Vertretern der Trägerschaft von ZOOM zusammensetzt, hat am Montag Françoise Deriaz und Dominik Slappnig als verantwortliche Chefredaktoren für die französisch- bzw. die deutschsprachige Ausgabe gewählt. Deriaz war bisher als Redaktorin von CINEBULLETIN, Slappnig bereits als Chefredaktor von ZOOM tätig.
Der Stiftungsrat ist überzeugt, dass mit diesem verlegerischen Konzept und in dieser personellen Zusammensetzung die Grundlage für eine langfristig erfolgreiche Schweizer Filmpublikation gegeben ist. Die neue Filmzeitschrift hat sich das Ziel gesetzt, die grösste und wichtigste Filmzeitschrift der Schweiz zu werden. Erste Kontakte zu Geldgebern und Sponsoren haben gezeigt, dass die Konzentration der Kräfte als sinnvoll erachtet wird und dass damit die Chancen für langfristige Partnerschaften intakt sind.
Für den Stiftungsrat Ciné-Communication
Christian Gerig
Für die Geschäftsleitung ZOOM
Matthias Loretan
Weichenstellung in der kirchlichen Filmpublizistik
Fragen an Matthias Loretan, Vertreter der Geschäftsleitung ZOOM
ZOOM tip: Die ökumenische Filmzeitschrift ZOOM erreicht mit einer durchschnittlichen Auflage von 6´000 Exemplaren ein interessiertes Publikum und blickt auf eine 60jährige Geschichte zurück. Geben die Kirchen mit der Fusion ZOOM/BLOW UP nicht leichtfertig ein Erfolgsprodukt auf?
Anlass zu den Verhandlungen mit dem von der Schweizer Filmbranche geplanten Konkurrenzprodukt BLOW UP und ihrer Trägerschaft, der Stiftung Ciné-Communication, war ein Finanzierungsproblem. Angesichts der angespannten kirchlichen Finanzen machten die kirchlichen Auftrag- und Geldgeber den Mediendiensten die Auflage, neue Aufgaben wie die Präsenz kirchlicher und religiöser Themen im Privatfunk sowie im Internet mit den bisherigen Mitteln zu finanzieren. Dieser Spardruck zwang die kirchlichen Mediendienste, Prioritäten zu setzen. Sie entschieden sich für Einsparungen bei der kirchlichen Filmarbeit.
Wie ist die ökumenische Filmzeitschrift bisher finanziert worden?
ZOOM finanzierte sich in den letzten Jahren fast zur Hälfte mit selbsterwirtschafteten Erträgen, zur Hauptsache aus Einnahmen von Abonnements. Das Bundesamt für Kultur anerkannte die Leistungen von ZOOM und unterstützte die ökumenische Zeitschrift mit jährlichen Beiträgen von Fr. 80´000.-. Die kirchlichen Mediendienste übernahmen die Kosten für die Redaktion (Personal und Infrastruktur).
Werden sich die Kirchen nun vollständig aus der Filmarbeit zurückziehen?
Die Filmbeauftragten werden in Zukunft den Einsatz von Filmen, Videos und digitalen Speichermedien mit religiösen und ethischen Themen für die (kirchliche) Bildungsarbeit sicherstellen. Auch der Dialog mit der aktuellen Filmkultur soll weiter gepflegt werden, allerdings bei einem deutlichen Abbau der Infrastrukturen. Die Geschäftsleitung ZOOM nahm deshalb im vergangenen Sommer mit dem Bundesamt für Kultur sowie mit den Organisationen der Schweizer Filmkultur Verhandlungen über eine breitere Abstützung der Trägerschaft sowie über eine neue Finanzierung von Zeitschrift und Dokumentation ZOOM auf. Vorgesehen ist eine stufenweise Überführung der beiden Projekte in eine säkulare Trägerschaft, in der die kirchlichen Mediendienste nur noch als Minderheit vertreten sein werden.
Welches Interesse hat die filmkulturelle Branche der Schweiz, sich an einer Lösung für die Filmzeitschrift zu engagieren?
Die von der Branche geplante neue Filmzeitschrift BLOW UP hätte sich mit einem ähnlichen verlegerischen und redaktionellen Konzept wie ZOOM positionieren wollen. Auf dem engen Markt der Schweizer Filmkultur wäre eine erbitterte Konkurrenz um Abonnenten, Inserenten und Sponsoren ausgebrochen. Die Einsicht in die deutliche Unterfinanzierung von BLOW UP sowie in die Mittelknappheit der kirchlichen Medienarbeit hat aus Konkurrenten Partner werden lassen. Gemeinsam haben der Stiftungsrat Cinécommunication (BLOW UP) und die Geschäftsleitung ZOOM ein Konzept für eine neue gesamtschweizerische Filmzeitschrift entwickelt (vgl. Medienmitteilung).
Welche konzeptionellen Änderungen sind im Vergleich zu ZOOM bei der neuen Zeitschrift zu erwarten?
Die Chance der gesamtschweizerischen Filmzeitschrift liegt im Dialog zwischen den Sprachregionen. Vorgesehen sind deshalb je eine Redaktion in Zürich und in Lausanne, die für Planung und Budget verantwortlich zeichnen. Für die deutschsprachige Ausgabe ist der bisherige Chefredaktor von ZOOM, Dominik Slappnig, verantwortlich. Er wird einen Teil der redaktionellen Mitarbeiter und Autoren übernehmen. Beibehalten werden wesentliche Elemente des bisherigen redaktionellen Konzeptes wie die Rubrizierung mit Themenschwerpunkten, kurzen und ausführlichen Besprechungen sowie einem Serviceteil. Das Design der neuen Zeitschrift wird den visuellen Charakter des Films stärker berücksichtigen.
Hat die Geschäftsleitung ZOOM auch andere Alternativen geprüft?
Die Geschäftsleitung ZOOM entwickelte verschiedene Alternativen. Die Variante, die Zeitschrift im Rahmen einer ausgeprägten Marktorientierung sowie in Kooperation mit einem grossen Schweizer Verlagshaus weiterzuentwickeln, hätte kaum dem kulturpolitischen Anliegen der Kirchen entsprochen. Nach wie vor möglich sind die Optionen der Zusammenarbeit mit bestehenden Filmzeitschriften in der Schweiz (Filmbulletin) und in Deutschland. Bei der internationalen Zusammenarbeit kommen insbesondere der katholische film-dienst sowie epd-film in Frage. Als minimale Auffangvariante ist die bescheidene Weiterführung der Zeitschrift im Rahmen des Pressedienstes ZOOM tip oder der Medienzeitschrift ZOOM Kommunikation & Medien vorgesehen.
Am meisten überzeugt allerdings die Alternative mit der neuen Schweizer Filmzeitschrift, getragen von Organisationen der Audiovisionsbranche, verwurzelt in der einheimischen Filmkultur und entwickelt im Dialog zwischen den Sprachregionen. In diesem Kontext ZOOM als Filmzeitschrift weiterzuentwickeln und die kirchlichen Anliegen aus einer minoritären Position mit Argumenten zur Geltung zu bringen, stellt für die kirchlichen Mediendienste eine Herausforderung dar.
