Grand Central

Die Gegensätze könnten nicht krasser sein, umso mehr, wenn sie durch die Montage aufeinanderprallen und man als Zuschauer fast schockartig vom einen ins andere katapultiert wird: Der eine Schauplatz ist das sterile Innere eines Atomkraftwerks mit seinen undefinierbaren, hallenden Geräuschen, wo gespenstische Gestalten in grellem Licht ihre Arbeit verrichten. Demgegenüber steht die Natur; ein Wald, ein kleiner See im Mondlicht, wo sich die Liebenden in oft magischer Stimmung treffen – und als drittes Extrem eine laute, volle Bar.

Gary pendelt zwischen diesen Welten: Er hat Arbeit gefunden im Atomkraftwerk; dort, wo die Strahlung am stärksten und der Lohn am tiefsten ist. Eine Unachtsamkeit, ein kleines Missgeschick könnte das ganze Team gefährden; jeder hängt vom anderen ab. Das schweisst zusammen, und Gary findet in der Wohnwagensiedlung eine Art Familie. Doch als er sich in die Freundin eines Kumpels verliebt, sorgt das für Unruhe. Daneben ist er, wie viele, in ständiger Angst, eine Überdosis an radioaktiven Strahlen abzubekommen – weil er dann den Job verlieren würde. Neben diesem gesellschaftskritischen Aspekt widmet sich der Film vor allem den Figuren und ihren Empfindungen: Ganz nah dran ist die wendige Kamera, und die Schauspieler bringen das Schwanken zwischen Anspannung, Verzweiflung und Resignation sowie die flüchtigen glücklichen Momente überzeugend zum Ausdruck.

Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch

«Grand Central», Frankreich 2013, Regie: Rebecca Zlotowski, Besetzung: Tahar Rahim, Léa Seydoux, Olivier Gourmet; Verleih: Frenetic Films AG, Internet: http://www.frenetic.ch

Kinostart: 8. Mai 2014