Gomorra

Wenn in «Gomorra» zwei Halbstarke Szenen aus dem Al Pacino-Film «Scarface» spielen, wirkt das wie ein höhnischer Gruss an Hollywood. Denn die Mafia, das ist hier kein schillernder Antiheld im eleganten Anzug. Die Mafia, das ist ein Haufen bierbäuchiger Kerle in Flipflops und Shorts, die die besagten Halbstarken liquidieren, weil sie dem örtlichen Capo allzu dreist auf der Nase herumtanzen. Oder ein Schneider mit Talent zur Haute Couture, der sich bei der chinesischen Konkurrenz mehr Geld und Anerkennung erhofft. Ein alternder Mafia-Geldbote, der zwischen die Fronten eines Clankrieges gerät. Oder ein junger Uni-Absolvent, der ins Geschäft der illegalen Giftmüllverscharrung eingearbeitet wird.

Regisseur Matteo Garrone hat den zum Bestseller avancierten Reportageroman von Roberto Saviano, der seitdem unter Polizeischutz steht, auf fünf parallel erzählte Geschichten reduziert, die exemplarisch sind für das Leben in und mit der neapolitanischen Camorra – in all seiner infernalischen Hässlichkeit. Mit dokumentarischem Gestus zeigt er uns verwahrloste Mietskasernen, die schon architektonisch an Gefängnisse erinnern, und die Gewalt, die darin zu Hause ist. Es ist eine Sicht von unten. Sie erklärt keine grösseren Zusammenhänge. Doch was sie zeigt, ist so erschütternd, dass es, auch ohne auf dramaturgische Konventionen oder Sympathieträger zurückzugreifen, einen tiefen Eindruck hinterlässt.

Julia Marx, Filmpublizistin

«Gomorra», Italien 2008, Regie: Matteo Garrone, Darsteller: Salvatore Abruzzese, Maria Nazionale, Toni Servillo; Verleih: Filmcoopi, Internet: http://www.filmcoopi.ch, Filmwebsite: http://www.gomorrha-derfilm.de

Kinostart: 23. Oktober 2008

Auf kinofenster.de sind Hintergrundinformationen und Unterrichtsvorschläge zum Film zu finden.
http://www.kinofenster.de/filmeundthemen/ausgaben/kf0809/
http://www.kinofenster.de/filmeundthemen/filmdesmonats/gomorrha_reise_in_das_re%20%20%20ich_der_camorra_film/