Girl Gang
«Terminplanung: montags Werbevideo für xy bis um 12 Uhr, abends Story. Dienstags Film für die Aknecrème schneiden…» – «Muss nur noch Filter draufmachen.» Dieses Arbeitsgespräch findet nicht im Büro einer Werbefirma statt, sondern im Teenagerzimmer von Leonie; und zwar zwischen ihr und ihrem Papa.
Leonie ist eine Teenfluencerin mit mehr als 1,5 Millionen Followern. Jeden Tag postet sie Filmchen und Fotos auf ihren verschiedenen Kanälen. Sie bewirbt Turnschuhe oder kuschelt mit dem Familienhund. Immer witzig, immer perfekt ausgelichtet, immer lächelnd. Ein Hochglanz-Leben. Das gefällt nicht nur den Followern, sondern auch dem Portemonnaie. Je mehr Follower, desto mehr Werbekunden und desto höhere Einnahmen. Gemanagt wird die Jugendliche von ihren Eltern. Für sie ist Leo längst nicht mehr nur Tochter, sondern ein lukratives Multimedia-Projekt.
Melanie ist Leos grösster Fan. Bis zu 17 Stunden verbringt die introvertierte Jugendliche in den Sozialen Medien. Melanie träumt von einem Leben, wie es Leo auf Instagram und Co. inszeniert. Sie kennt nicht die Schattenseiten und den Druck, den dieses Leben mit sich bringt.
Susanne Regina Meures hat Leo und Melanie vier Jahre lang begleitet. In «Girl Gang» schildert sie ohne Filter und ohne zu urteilen, wie anstrengend und einsam das Leben der bewunderten Teenfluencerin abseits der Kameras ist. Leos «Girl Gang» existiert nur in ihrem vergoldeten virtuellen Raum. Ein aufwühlender Dokfilm, der nicht nur Eltern ein flaues Gefühl im Magen beschert.
Natalie Fritz, Religionswissenschaftlerin und Redaktorin Medientipp
«Girl Gang», Schweiz 2022; Regie: Susanne Regina Meures; Protagonist*innen: Leonie, Melanie, Andreas; Verleih: Frenetic Films; Filmseite: https://www.frenetic.ch/katalog/detail//++/id/1229
Ab 27. Oktober 2022 im Kino
