Gewalt im Kreisssaal

Sabrina hatte sich auf ihr erstes Kind gefreut. Heute beschreibt sie die Geburt ihrer Tochter vor vier Jahren als «Hölle». Die Entbindung wurde künstlich eingeleitet, dauerte drei Tage und endete in einem Kaiserschnitt, bei dem die Ärzte operierten, ohne die Wirkung der Narkose abzuwarten. Seitdem bestimmen Flashbacks, Albträume und Panikattacken ihren Alltag. Das Empfinden, ohnmächtig und ausgeliefert zu sein, geht nicht mehr weg. Sabrina fühlt sich wie ausgeschlossen von der Welt, überfordert, spürt keine Bindung zu ihrem Kind. Sie ist ständig niedergeschlagen, abwesend und aggressiv. Anja Lehnertz hat sechs Kinder geboren und ungezählten auf die Welt geholfen. Die 43-jährige Hebamme erlebte immer wieder, dass Frauen nicht zugehört wird und sie nicht gefragt werden. Dass sie mangelhaft aufgeklärt und in routinierte Abläufe gezwungen werden. Dass viele am Ende die Geburt ihres Kindes sogar als Misshandlung, Nötigung oder Vergewaltigung beschreiben. Auch Anja war an Grenzüberschreitungen beteiligt einige Geburten belasten bis heute ihr Gewissen