Geschichte(n) erzählen im Internet

Alte Menschen haben viel erfahren und erinnern sich an vieles: an die Kriegszeit, an ein bescheidenes Leben, an Arbeits- und Freizeitwelten, an andere Menschen. In diesem Sinn sind Menschen die besten Geschichtsbücher. Doch wie kann dieser Wissens- und Erfahrungsschatz mehr Leuten als nur den nächsten Angehörigen zugänglich gemacht werden? Hier kommen die Vorzüge des Internets zum Tragen. Das Netz eignet sich als Sammel- und Aufbewahrungsplatz der Geschichten, denn (fast) jede und jeder kann hier (fast) jederzeit Einblick nehmen, kann seine eigenen Erinnerungen veröffentlichen oder kann auf andere Geschichten mit Fragen oder Kommentaren reagieren.
In Deutschland existieren einige Internet-Geschichts-Projekte, die sich dafür einsetzen, dass Geschichte veröffentlicht wird, anstatt verloren zu gehen. „Erlebte Geschichte“ heisst ein Projekt, das 1997 in Rheinland-Pfalz realisiert wurde. Die Geschichte des Bundeslandes sollte von den in ihr lebenden Menschen geschrieben werden. Auf der Webseite findet man zahlreiche Erinnerungstexte, die chronologisch und nach Themen geordnet sind. „19. Jahrhundert“, „Reichskristallnacht“ und „Frauenschicksale“ sind drei der vielen Stichwörter. Leider fehlt dem Projekt trotz regem Interesse seit letztem Jahr das Geld, und es werden keine neuen Texte mehr aufgenommen. Ein ähnliches Projekt ist die „ZeitZeugenArbeit“ in Ulm. Auch dort findet man Texte alter Menschen, die in ganz unterschiedlichen Formen daherkommen: von nüchternen Bestandesaufnahmen über Schilderungen in Märchenform bis zu Mundart-Berichten reicht die Palette.
Etwas anders ausgerichtet ist das Projekt „Zeitenwende“, das vom Südwestrundfunk ins Leben gerufen wurde. Ziel ist es, ein Internet-Memorial für das 20. Jahrhundert zu gestalten. Menschen jeglichen Alters und aus verschiedenen Ländern kommen in Text und Bild zu Wort.

http://www.koblenz.de/sehenswertes/erlebt
http://www.uni-ulm.de/LiLL/zeitzeugen
http://www.zeitenwende.de