Geisterpost aus Taiwan

Taiwan ist für China kein eigenständiges Land, sondern eine abtrünnige Provinz. Dennoch hat sich ein kontrastreiches und fortschrittliches Land mit ganz eigenem Charakter entwickelt. Der hektische Alltag wird dominiert von Zeitmangel und dem Wunsch nach Wohlstand, doch die Spiritualität spielt eine zentrale Rolle. Mit den verstorbenen Ahnen wird über Geisterpost kommuniziert. Stehen wichtige Entscheidungen an, werden zuerst Orakel befragt. Im «Monat der wandernden Geister» (Zhongyuan) wird den leidenden Seelen ein Besuch auf der irdischen Welt gewährt. Dafür finden pompöse Zeremonien statt, von denen sich einige inzwischen zu kommerziellen Events entwickelt haben. Geht es den Toten im Jenseits gut, dann sind auch die lebenden Verwandten in Sicherheit. Kann die uralte Tradition bewahrt werden, oder wird die spirituelle Pflege der Ahnen zur Popkultur?