Frontier Blues
Turkmenistan ist weder angesagte Feriendestination noch mutmassliche Wiege des nächsten Wirtschaftsbooms. Im Gegenteil, es ist eines derjenigen Enden der Welt, an dem die, die nicht geflohen sind, in ein Art Stillstand verfallen. Alam, der stoisch versucht, Englisch zu lernen, und der dickbebrillte Hasan gehören zu dem fast ausschliesslich männlichen Universum jener Weltenecke. Die Frauen sind weggezogen, verstorben oder schlicht unerreichbar.
Babak Jalali ist in der turkmenischen Provinz Golestan geboren und hat sie nun als Filmemacher porträtiert, obwohl er selbst schon seit Jahrzehnten in London lebt. Das Resultat ist eine skurrile, poetische Perle von Film, die Alltäglichkeiten und Absurditäten eines Ortes erzählt, an dem „weder gestorben noch geheiratet wird“. So sehr manche Figuren und Episoden erheitern, zieht der Film sie nicht ins Lächerliche. Die durchkomponierten, fast regungslosen Bilder entfalten in ihrer staubtrockenen Schönheit den besonderen Zauber des wilden Ostens, wie er immer wieder in Gegenden des ehemaligen Sowjetreichs zu entdecken ist. Jalali fängt das Grenzgebiet zwischen dem ein, was man landläufig Tradition und Fortschritt nennt. Er kommentiert sich selbst ironisch mit der Geschichte des Fotografen, der einen alten Barden in Sujets inszeniert, die dieser vehement als unauthentisch ablehnt. Dies sei egal, die Leute wollten es so sehen, argumentiert der Fotograf.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
„Frontier Blues“, Iran/Italien/GB 2009, Regie: Babak Jalali, Verleih: trigon-film, Internet: http://www.trigon-film.org, Filmwebsite: http://www.trigon-film.org/de/movies/Frontier_Blues
Kinostart: Zürich: 27. Mai 2010; Bern: ab 3. Juni; Aarau: 17.–23. Juni; Basel: ab 24. Juni
| „Frontier Blues“ ist Film des Monats Juni 2010. Der Film des Monats ist als pdf abrufbar. medientipp.ch/pdf/filmtipp_201006.pdf Das Film-des-Monats-Archiv: https://www.medientipp.ch/filmdesmonats |
