Figlia mia

Die beinahe zehnjährige Vittoria ist neugierig, sieht auch Dinge, die sie nicht sehen sollte. Beim Rodeo im sardischen Küstenörtchen, entdeckt sie die blonde Angelica, wie sie offensichtlich angetrunken mit einem Mann zugange ist. Vittoria ist fasziniert von der Frau, die ganz anders ist, als ihre eigene Mutter Tina. Diese möchte die rothaarige Vittoria vor allem Übel der Welt beschützen, schläft nachts sogar neben ihr – nicht im Ehebett.

Auch Tina kennt Angelica, versorgt die Tagträumerin und Alkoholabhängige, die in einem verlotterten Bauernhof lebt, sogar mit Esswaren und Geld. Als Angelica der Räumungsbefehl ins Haus flattert, ist Tina überglücklich. Endlich muss die «arme Seele» das Dorf, noch besser, die Insel verlassen. Aber Angelica hat einen letzten Wunsch. Sie möchte Vittoria noch einmal sehen. Tina bringt das Kind auf den Hof und Vittoria merkt schnell, dass die ungewöhnliche Verbindung zwischen ihr und Angelica auf mehr als blosser Faszination beruht.

Die junge, italienische Regisseurin Laura Bispuri versucht in ihrem poetischen und bildgewaltigen Spielfilm «Figlia mia» dem nachzugehen, was Mütterlichkeit ausmacht. Liebevoll und dennoch kritisch hinterfragt sie Rollenmodelle – die Mutter Gottes ist ebenfalls präsent – und ihre Aktualität. Bispuris sommerlich flirrender Essay macht deutlich, dass wir nicht in einer «Men’s World», sondern in einer «Mother’s World» leben und, dass Liebe keine Blutsbande braucht.

Natalie Fritz, Religionswissenschaftlerin und Redaktorin Medientipp

«Figlia mia», Italien/Deutschland/Schweiz 2018, Regie: Laura Bispuri, Besetzung: Alba Rohrwacher, Valeria Golino, Sara Casu; Verleih: Xenix Films, http://xenixfilm.ch/de/; http://xenixfilm.ch/de/film_info.php?ID=11950

Kinostart: 23. August 2018