Everyday Rebellion
Eine Voice-over-Stimme flüstert Parolen verschiedener Protestbewegungen – mit überraschendem Effekt: Man hört eher hin; die Forderungen bekommen eine Dringlichkeit. Das ist im Film so; wie aber verschafft man sich in der Gesellschaft Gehör? Wie macht man gewaltlos auf Unterdrückung und Restriktionen aufmerksam? Die Riahi Brothers haben für ihren engagierten und aufrüttelnden Dokumentarfilm Aktivisten auf der ganzen Welt begleitet. Da bekommt man Einblick in die Aktionen von Femen, des Arabischen Frühlings, der «Indignados» in Spanien, in die Demokratiebewegung im Iran oder die Occupy-Wall-Street-Proteste in den USA. Einfallsreiche Aktionen und Nacktheit bringen Leute zum Hinschauen, die sich ansonsten nicht für Proteste interessieren. Andere Aktivisten schaffen kunstvolle Graffitis, lassen unzählige Tischtennisbälle die Treppe hinunterhüpfen oder umarmen verwirrte Polizisten.
Eingeblendete Twitter-Kommentare, mal ermutigend, mal drohend, machen bewusst, welchen Gefahren sich viele Aktivisten aussetzen; zugleich verweisen sie auf die Bedeutung der Social Media für Protestbewegungen. Entsprechend werden sie auch hier genutzt, denn der Dokumentarfilm ist ein Teil eines anregenden multimedialen Projekts: Es gibt eine Smartphone-App sowie eine gehaltvolle Webseite, auf der Methoden und Tipps für den gewaltlosen Protest vorgestellt werden und die Möglichkeit besteht, sich über Aktionen auszutauschen.
Andrea Lüthi, Kulturjournalistin
andrea.luethi@medientipp.ch
«Everyday Rebellion», Österreich, Schweiz 2013, Regie: The Riahi Brothers; Verleih: Vinca Film GmbH, http://www.vincafilm.ch, http://www.everydayrebellion.net
