Evangelische Perspektiven. Reimarus – Zerstörer des Christentums?

30 Jahre schrieb der Hamburger Spezialist für die Sprachen des Orients, Hermann Samuel Reimarus (1694–1768), an seinen bibelkritischen Untersuchungen, in denen er den heiligen Texten mit Vernunft und geschichtlichen Fakten zu Leibe rücken wollte. Zu seinen Lebzeiten wollte er die Ergebnisse nicht veröffentlichen – er fürchtete den Aufruhr gegen sich und seine Familie. Als der Dichter Gotthold Ephraim Lessing nach Reimarus‘ Tod im Jahr 1768 Auszüge aus dessen Forschungen veröffentlichte, war die Aufregung gross: Manche sahen die Zerstörung des christlichen Glaubens heraufziehen, andere feierten die Befreiung von der Bevormundung durch die christliche Dogmatik. Die Folgen sind bis in die Gegenwart zu spüren: Die Fragen, ob die Israeliten tatsächlich trockenen Fusses durchs Rote Meer gelangten oder ob das Grab Jesu nach der Auferstehung wirklich leer war, sind für viele Menschen auch heute Anlass zu ernsten Zweifeln