Evangelische Perspektiven. Descartes schweres Erbe für die Theologie

Danke, Renée – nicht. So möchte manch einer dem grossen Vordenker der Aufklärung, Renée Descartes 400 Jahre nach dessen bahnbrechendem «Je pense, donc je suis – Ich denke, also bin ich» gerne zurufen. Denn indem er den Zweifel zum Grundparadigma seiner Philosophie machte, hat Renée Descartes der Welt ein schweres gedankliches Erbe hinterlassen: Es hat die Menschen einerseits zur Selbstermächtigung befreit und lässt sie andererseits bis heute verzweifelt ihre Mitte suchen. In der Nacht vom 10. auf den 11. November 1619 träumte der Philosoph einen Traum, der ihn auf die Spur zu seinem cartesianischen Dualismus setzte: der Mensch, ein Wesen aus zwei Substanzen, Körper und Geist. Aber wie spielen die beiden Komponenten zusammen und wie lässt sich der christliche Glaube an die Auferstehung des Fleisches angesichts des neuen materialistischen Blicks auf Mensch und Welt noch glaubhaft predigen? Ja, wie lässt sich unter diesen Vorzeichen überhaupt noch glauben?