Essay. Der Befehl von aussen

Erst befahlen dem Menschen die Stimmen der Götter, dann die Orakel, dann die heiligen Schriften, dann die Natur – und zuletzt muss er sich selbst befehlen. Die neuzeitliche Selbstbehauptung, die an die Stelle des göttlichen Befehls den Selbstbefehl setzt, überfordert uns. Deshalb gibt es ein Heimweh nach dem Absoluten oder eine Sehnsucht nach dem Befehl von aussen. Das erklärt nicht nur die weltweite Attraktivität des religiösen Fundamentalismus, sondern auch den riesigen Markt für Religionsersatz und Ersatzreligionen