Erbsen auf halb 6
«Liebe macht blind», sagt der Volksmund. Aber was macht ein Mensch, der durch einen Unfall erblindet und deswegen nur noch Hass spürt? Anfangs verzweifelt er, dieser junge Theaterregisseur Jakob, der mit dem Augenlicht auch die Orientierung in seinem Leben verliert. Da hilft selbst die engagierte Therapeutin Lilly nicht viel, die sich zum Ärger Jakobs gar nicht so leicht abschütteln lässt. Als er sich aber auf den Weg zu seiner Mutter im fernen Russland aufmacht, merkt er, wie sehr er auf Lilly angewiesen ist. Sie jedoch ist von Geburt an blind und verlässt nur widerwillig die ihr vertraute Umgebung der Stadt.
Es ist ein Roadmovie der etwas anderen Art, eine Reise durch fremde Landschaften, eine Geschichte über den Weg zweier Menschen, die ihre vertraute Welt hinter sich lassen müssen und eine neue Vertrautheit entdecken. Regisseur Lars Büchel setzt auf farbenprächtige Bilder und eine eindrucksvolle Tonspur; er entwirft eine verschlungene Metaphorik von Wasser, Helligkeit, Rot und Gelb. Glücklicherweise versucht er sich nicht in Pseudorealismus oder Mitleidspathos und besetzt auch die Blinden mit nicht-blinden Darstellern. So ist ein Filmmärchen entstanden, das mit einer guten Portion Humor Kitsch und Klischee umschifft und bis in die Nebenfiguren hinein von den Herausforderungen des Lebens und der Liebe fabuliert.
Christine Stark, Filmbeauftragte der Reformierten Medien
christine.stark@ref.ch
«Erbsen auf halb 6», Deutschland 2004, Regie: Lars Büchel, Besetzung: Fritzi Haberlandt, Hilmir Snær Gudnason, Harald Schrott, Verleih: Filmcooperative Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch, Filmwebsite: http://www.erbsenaufhalb6-derfilm.de
