Elling
Tragikomische Erzählungen sind im skandinavischen Kino fest verankert. Neugierig macht der norwegische Film «Elling» durch seine Liebe zu den Figuren und seinen Hang zur ironisch gebrochenen Situationskomik: Die entspannenden Lacher machen rasch bewusst, dass in jedem von uns eine beinah gescheiterte Existenz steckt. Im Mittelpunkt des Films stehen der motorisch und mental zurückgebliebende Elling und sein ebenfalls behinderter Zimmergenosse Kjell Bjarne. Zwei Jahre haben sie in einer psychiatrischen Klinik verbracht und jetzt werden sie in eine vom Sozialamt angemietete Wohnung in Oslo entlassen, um sich in der wirklichen Welt zu bewähren und zu lernen, ein selbstbestimmtes Leben zu gestalten. Das ist gut gemeint und schneller verordnet als realisiert, was sich bald schon in kleinen alltäglichen Situationen wie beim Umgang mit dem Telefon oder beim Einkaufen im benachbarten Warenladen zeigt. In der gemeinsamen Auseinandersetzung mit dem trickreichen Alltag entwickeln Elling und Kjell immer mehr Selbstbewusstsein und damit auch Selbstwertgefühl.
Mit unbeirrter Willenskraft und Courage, unterstützt von den Ratschlägen ihres regelmässig auftauchenden Betreuers, schaffen die beiden es, ihr Leben zu meistern: Kjell, der eine Beziehung zur schwangeren Nachbarin aufbaut, und der poetisch begabte Elling, der «in Bildern spricht», wie Kjell anerkennend erläutert, sich aber dennoch nicht scheut, politische Wahrheiten etwa über die norwegische Sozialdemokratie zu verkünden, die der «normale» Bürger nicht ohne weiteres laut sagen würde. Höhepunkt der gesellschaftskritischen Präsenz von Elling in diesem anrührend inszenierten Film ist ohne Zweifel die Szene, in der ihn während einer Lyrik-Veranstaltung in einer Kneipe angesichts der vorgetragenen zeitgenössischen Gedichte ein übler Brechreiz überkommt und er sich übergeben muss mit dem Kommentar: «Ich muss mir mein Publikum woanders suchen!». Der Film hat an den Nordischen Filmtagen in Lübeck 2001 den Preis der Interfilm Jury gewonnen.
Hans Hodel, Filmbeauftragter Reformierte Medien
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«Elling», Norwegen 2000, Regie: Petter Naess, Besetzung: Christiane Amanpour, Hans-Hermann Klare, Christiane Breustedt, Verleih: Ascot Elite, Zürich, http://www.ascot-elite.ch, Kinostart: 18. April, Internet: http://www.elling.nu
