Eine Pfarrei rüstet sich für die Gottesdienstübertragungen am SF DRS

Die Übertragungen der Katholischen Gottesdienste im SF DRS kommen im Jahr 2003 aus Menzingen. Dazu ein Interview von Hans Aregger von der Kath. Kirchgemeinde Menzingen ZG mit dem Fernsehbeauftragten des Katholischen Mediendienstes.

Herr Pater Anderau, Sie sind verantwortlich für die Gottesdienst-Übertragungen bei Radio und Fernsehen SF DRS. Weiche Aufgabe haben Sie?
Der kirchliche Beauftragte für Radio und Fernsehen ist gewissermassen das Scharnier zwischen der Kirche und den Redaktionen für Religion bei Radio und Fernsehen DRS. Ich wähle die Pfarreien aus und helfe bei der Vorbereitung eines Gottesdienstes, damit dieser mediengerecht gestaltet werden kann. Vor der Fernsehübertragungen erstelle ich das Drehbuch auf Grund der Texte, die mir die Pfarrei liefert. Bei der Live-Übertragung bin ich der kirchliche Ansprechpartner für die Fernsehequipe. Als Radio- und Fernsehbeauftragter helfe ich, geeignete Personen zu suchen für die Radiopredigten und die „Wort zum Sonntag“-Sprecher. Zusammen mit meinem reformierten Kollegen, Pfr. Martin Peier, und der Redaktion Religion tragen wir gemeinsam die Verantwortung für deren Wahl und Ausbildung.

Wie kommt es dazu, dass Sie mehrmals Gottesdienste vom selben Ort übertragen und was sind die Kriterien für die Auswahl?
Uns – wie auch den Leuten vom Fernsehen – ist sehr daran gelegen, dass die Gottesdienste in einer optimalen Qualität und fernsehgerechten Form gestaltet werden. Das braucht auch etwas Übung und Erfahrung. Die Pfarrei sieht sich bei einer Übertragung das erste Mal wie in einem Spiegel. So kann sie bei den nächsten Übertragungen aus den Erfahrungen der früheren Gottesdienste lernen. Zudem kann eine Pfarrei bei mehreren Übertragungen auch ihre verschiedenen Möglichkeiten zeigen und jeweils eigene Akzente setzen.

Sie waren kürzlich fast „inkognito“ an einem Sonntagsgottesdienst in Menzingen. Welchen Gesamteindruck hatten Sie davon?
Ich habe einen sehr frischen und lebendigen Gottesdienst erlebt. Die Liturgie war durchdacht und liebevoll gestaltet. ich fühlte mich auch durch meine zufälligen Banknachbarn – die ich nicht kenne – in den Gottesdienst einbezogen. Einer reichte mir ein Gesangbuch und beide boten mir spontan den Friedensgruss an. Das machte mir, als Fremden, einen sympathischen Eindruck. Etwas Sorge bereiteten mir die gelichteten Bankreihen im vorderen Teil der Kirche. Es ist ausgerechnet jener Teil, der in einer Fernsehübertragung besonders ins Bild kommt.

Wie viele Personen werden wohl gemäss ihren Erfahrungen diese Gottesdienste am Fernsehen mitfeiern?
Das ist schwierig zu sagen, weil die Einschaltquoten von verschiedenen Faktoren abhängen, so zum Beispiel vom Wetter, von den Angeboten auf den anderen Sendern (z.B. eine Sportübertragung auf SF 2) und natürlich auch von der Qualität des Gottesdienstes. in der Regel schauen in der deutschen Schweiz zwischen 40´000 bis 60´000 Personen zu. Dazu kommen noch die Menschen in Kollektivhaushalten wie Spitälern und Altersheimen, die von dieser Messung nicht erfasst werden. In der Regel werden die Gottesdienste simultan übersetzt und vom Westschweizer- und Tessiner Fernsehen ebenfalls übernommen. Nicht eingerechnet sind da auch die Zuschauer in den benachbarten Gebieten entlang der Schweizer Grenze. Übrigens rechnen wir damit, dass bei den Gottesdienstübertragungen etwa ein gutes Drittel der Zuschauer aus anderen Konfessionen stammen.

Wie viele Personen arbeiten im Hintergrund an diesen Sonntagen für die Übertragung aus Menzingen?
Auf Seiten des Fernsehens sind rund 20 Personen am Samstag und Sonntag mit dieser Übertragung beschäftigt, selbstverständlich nicht alle zur selben Zeit. Eine Gottesdienstübertragung kommt je nach Umständen auf etwa 60´000 bis 80´000 Franken zu stehen.

Sie sind auch verantwortlich für die Weitergabe von Nachrichten und Mitteilungen an die kirchlichen und privaten Radiostationen. Wie wählen Sie aus der Vielzahl von Nachrichten aus?
Wir betreiben am Katholischen Mediendienst ein eigenes Internetradio. Wann immer man will, kann man am Computer auf http://www.radio.kath.ch Kurznachrichten abrufen aus den Bereichen Kirchen, Religion und Gesellschaft in der Schweiz. Täglich produzieren wir etwa fünf Minuten Nachrichten aus Meldungen, die wir von der katholischen Nachrichtenagentur KIPA erhalten oder von anderen Quellen sowie solchen, die wir selber Recherchieren. Die Auswahl beschränkt sich vor allem auf den Raum Schweiz, wobei wir bewusst auch Hintergründe und positive Meldungen aus dem Leben der Kirchen vermitteln möchten und nicht nur Skandalträchtiges.
 
 
Pater Willi Andrau ist Leiter Ressort Radio und Fernsehen am Katholischen Mediendienst und Bischöflich Beauftragter für Radio und Fernsehen. Er studierte Theologie (lic. theol.) und Kommunikationswissenschaften in Solothurn und Freiburg (Schweiz).