Drii Winter

Marco ist ein Fels von einem Mann. Mit stoischer Ruhe arbeitet er in die steilen Hänge über dem Urner Isenthal. Abends sitzt er bei seiner Angebeteten Anna in der Dorfbeiz und trinkt Eistee. Die feenhafte Briefträgerin hilft in der Gaststube der Mutter im Service aus. Sie hat den «zugezogenen Unterländer» als ihren Zukünftigen auserwählt.

Die Dorfbevölkerung beäugt die Beziehung mit Argusaugen, aber das trübt die Liebe zwischen Marco und Anna nicht. Sogar Julia, Annas Tochter aus einer früheren Beziehung, mag ihren neuen «Tädi» sehr. Alles perfekt, zu perfekt?

Lange währt das Glück dann tatsächlich nicht. Nach der Hochzeit erbricht sich Marco. Der Chor singt von einem bangen Herz, das unstet unter den goldnen Sternen pocht. Wie in einer griechischen Tragödie strukturieren die Auftritte des Chors den Film und nehmen musikalisch die Handlung vorweg.

Und so nimmt das Drama seinen Lauf. Marco wird ein Hirntumor diagnostiziert, der ihm zunehmend die Impulskontrolle verunmöglicht. Das hat einschneidende Konsequenzen für die kleine Familie und die Dorfgemeinschaft.

Michael Koch zelebriert in «Drii Winter» die tragische Liebe, die über den Tod hinausgeht, aber am Leben selbst zu zerbrechen droht. Das raue Bergler-Leben, wo der Stier zur Kuh gebracht wird, steht in krassem Gegensatz zur zarten Liebe der beiden Protagonisten. Nur mit Laien besetzt, entfaltet sich die Geschichte langsam und mit wenig Worten – pur und schroff wie die Landschaft, in der sie spielt.

Natalie Fritz, Religionswissenschaftlerin und Redaktorin Medientipp

«Drii Winter», Schweiz 2022; Regie: Michael Koch; ProtagonistInnen: Michèle Brand, Simon Wisler, Daniela Barmettler; Verleih: Frenetic Films, https://www.frenetic.ch/katalog/detail//++/id/1224

Ab 1. September 2022 im Kino