Doppelpunkt. Polio – vergessen aber noch nicht vorbei
Die Folgen der Kinderlähmung sind auch bei uns bis heute sichtbar: Wer hat nicht einen alten Onkel oder eine Tante, die das Bein beim Gehen nach sich zieht? Im Alter kämpfen Poliopatienten nochmals mit ihrer Krankheit: Post-Polio heisst die Diagnose heute, 60 Jahre nach der Einführung der Impfung. «Das war wie ein Donnerschlag», sagt Dorothea Walther, als sie die Diagnose Post-Polio erhielt. Das war vor gut 20 Jahren. Da war sie 50 Jahre alt. Etwa 300 Meter weit kommt sie noch zu Fuss, dann ist sie erschöpft. «Ich will aber raus und mobil sein, deshalb der Rollstuhl.» Das Poliovirus, das mittels Fäkalbakterien übertragen wird, entzündet das Rückenmark und das Hirn, dabei sterben Nervenzellen ab. Das kann so weit gehen, dass Lähmungen auftreten. Bleiben Nervenzellen intakt, müssen sie die Arbeit der abgestorbenen übernehmen. Über all die Jahre werden sie mehr beansprucht, das führt zu einer sogenannten neuronalen Müdigkeit
