Don’t come knocking

Wenn es so etwas wie die späte Verzweiflung des alternden Helden gibt, dann ist sie bei Wim Wenders ironisch und vielschichtig umgesetzt. Sam Shephard schrieb das Drehbuch zum Film und spielt auch die Hauptrolle des Westernhelden Howard Spence, der mit seinem Pferd von den Dreharbeiten in Nevada flüchtet. Spence kehrt als 60-Jähriger – nach einem wilden Leben mit Sex, Drogen und Glücksspiel – in den Schoss seiner Mutter zurück. Diese offenbart ihm, dass er irgendwo in Montana ein Kind hat, ob Sohn oder Tochter ist vorerst unbekannt. Er macht sich auf, um die Spuren seines Lebens zu erforschen.

Wim Wenders zeichnet die Hauptfigur als ironisch gebrochenen, alten Haudegen mit weichem Kern, eine Art John Wayne des sich totlaufenden Western-Genres. Sein herber Charme und seine fatalen Wutausbrüche machen ihn interessant und bemitleidenswert zugleich. Auf sich selbst bezogen ist er nicht fähig zu Empathie. Als er in Butte, einer Geisterstadt in Montana ankommt, erhofft sich Spence eine Versöhnung mit seiner Ex-Geliebten Doreen (Jessica Lange), doch diese weist ihn zurück und auch sein Sohn Earl ist vollständig verstört über die Rückkehr des ´Vaters´. Der Übergang in ein neues Leben als Familienvater wird ihm nicht gelingen, denn die Verletzungen sind zu gross. Ein Gefühl der Trauer bleibt am Schluss zurück, und eine leise Hoffnung, dass dieser unmögliche Vater doch noch zu seinen Kindern finden möge.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

„Don’t come knocking“, Deutschland 2005, Regie: Wim Wenders; Besetzung: Sam Shephard, Jessica Lange, Tim Roth, Eva Marie Saint; Verleih: United International Pictures UIP, Internet: http://www.uip.com, Filmwebsite: http://www.dontcomeknocking.com

Kinostart: 25. August 2005

Am Filmfestival Locarno 2005 hat Wim Wenders den Spezialpreis der Ökumenischen Jury für sein Lebenswerk erhalten: https://www.medientipp.ch/index.php?na=4,3&meid=45383

Bericht über Locarno:
https://www.medientipp.ch/index.php?na=4,4&meid=45706