DOK. Ich, der Schiedsrichter und Tabubrecher

Die Fans brüllen, die Spieler schimpfen, das Adrenalin pumpt. Pascal Erlachner muss – wie alle Fussballschiedsrichter – innert Sekunden Entscheide fällen. Er darf sich keinen Fehler erlauben. Der Druck ist gross. Und der Druck wird vielleicht bald noch grösser: Pascal Erlachner hat sich entschieden, sich öffentlich als schwul zu outen. Und bietet damit in einem nach wie vor von Homophobie geprägten Umfeld wie dem Fussball zusätzliche Angriffsflächen. Während der Frauenfussball mit lesbischen Spielerinnen mittlerweile völlig unverkrampft umgeht, gibt es im Männerfussball bislang erst drei Profis, die offen zu ihrer Homosexualität stehen oder standen: Justin Fashanu, der bei Manchester City spielte, sich 1990 als erster aktiver Spieler überhaupt outete und sich acht Jahre später das Leben nahm. Pascal Erlachner ist der erste Spitzenschiedsrichter, der sich outet. Seine Motivation: Er will aufrütteln, enttabuisieren, helfen, ein Klima herzustellen, in dem es künftig normal sein soll, dass Fussballer, Trainer oder Funktionäre schwul sind