Die zerrissene Gesellschaft: Wenn Ungerechtigkeit spaltet

Gerechtigkeit ist eine zentrale moralische Instanz unseres Lebens. Experimente zeigen, dass schon Zweijährige äusserst kooperativ sind und Fünfjährige ungehalten reagieren, wenn sie sich benachteiligt fühlen. Ist uns der Gerechtigkeitssinn in die Wiege gelegt? «Gerechtigkeit ist sowohl anerzogen als auch angeboren», sagt Dr. Hanna Beissert vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation in Frankfurt. «Durch Erziehung, Entwicklung und Umwelt wird dieser rudimentär vorhandene Gerechtigkeitssinn weitergeprägt.» Subjektiv empfinden knapp zwei Drittel der deutschen Bevölkerung, dass die soziale Gerechtigkeit in den vergangenen Jahren abgenommen hat. Ein Aufstieg aus dem Arbeitermilieu in die gut verdienende, Ton angebende Elite – das gelingt nur in den seltensten Fällen. Je mehr eine Gesellschaft von struktureller Ungleichheit geprägt ist, desto eher kann sie aus der Balance geraten. Weltweit nimmt die ungleiche Chancen- und Ressourcenverteilung zu – und somit die Spaltung der Gesellschaften …