Die weibliche Seite der Reformation
(medientipp) 2017 wird das Reformationsjubiläum gefeiert. Im Mittelpunkt des Gedenkens stehen meist Männer wie Martin Luther und Johannes Calvin. Die Webseite frauen-und-reformation.de dreht den Spiess um und rückt die Frauen der reformatorischen Bewegung in den Fokus.
Wie wirkte sich die Reformation auf das Leben von Frauen aus? Und welche Frauen prägen die reformierte Kirche heute? Antworten auf diese Fragen finden sich im Webportal zu Frauen der Reformation. Herzstück des Portals ist eine interaktive Landkarte. Auf ihr wird sichtbar, wo welche Frauen in welchem Jahrhundert reformatorische Impulse gesetzt haben.
Von Pfarrfrauen und Theologinnen
Für die Schweiz im 16. Jahrhundert finden sich beispielsweise die Biografien von Anna Zwingli, die als «Pfarrfrau der ersten Stunde» an der Seite von Ulrich Zwingli in Zürich wirkte, und von ihrer Zeitgenossin Marie Dentière, die sich in Genf für eine aktive Teilnahme der Frauen am Leben der Kirche und der Gesellschaft stark machte. Für die Gegenwart werden Biografien von Frauen wie der Zürcher Theologin Verena Pfenninger-Stadler angeboten.
Die Liste der porträtierten Frauen von A wie Anna II. bis Z wie Anna Zwingli ist umfassend und wird stetig erweitert. Die Frauenbiografien stammen aus der Feder von Autorinnen (und einigen Autoren) aus dem deutschsprachigen Raum.
Digitale Truhen und Schnitzeljagden
[bild57749|25872lw160h90c-]Die Userinnen und User können eine digitale Truhe auf die Reise schicken. Sie werden durch Leitfragen eingeladen, darüber nachzudenken, was sie von den gelesenen Frauenbiografien mitnehmen und ihre Gedanken mit anderen zu teilen.
Im Lerncenter werden sogenannte WebQuests angeboten, die im Unterricht oder in der Gemeindearbeit als digitale Variante der Schnitzeljagd eingesetzt werden können. Bei den WebQuests zu Katharina von Bora oder zur Hexenverfolgung werden den Teilnehmenden Fragen gestellt, die sie mit Hilfe von Onlinequellen bearbeiten können.
Eine weiterführende und bunte Auswahl an aktuellen Artikeln, Lese- und Linktipps rund um das Thema Frauen und Reformation bietet die Website unter dem Reiter Aktuelles.
Eine Lücke im männerlastigen Angebot zum Reformationsjubiläum
frauen-und-reformation.de ist für den Computerbildschirm oder Tablet-PCs konzipiert, auf dem Smartphone ist die Handhabung etwas unkomfortabel. Die Webseite ist textlastig, das dürfte allerdings der Fülle der beschriebenen Frauenleben geschuldet sein.
Das Portal, das herausgegeben wird vom Verein der Evangelischen Frauen in Deutschland, zeigt, welche Impulse protestantische Frauen in aller Welt gesetzt haben und bis heute setzen. Sie rückt die Verdienste der Frauen ins Bewusstsein und füllt damit eine Lücke im Angebot rund um das an Luther und Co. ausgerichtete Reformationsjubiläum.
