Die Geschichte vom weinenden Kamel

Das ist also die Wüste Gobi: endlose Weite unter klarem Himmel, endlose Weite im Sandsturm durchgewirbelt. Und mitten drin ein Zelt von mongolischen Nomaden, die Schafe und Kamele züchten. Alle Generationen von der zahnlosen Urgrossmutter bis zum Kleinkind, das beim Spielen angebunden wird, teilen sich das bunte Zelt in der Wüste. Dann verstösst ein Kamel nach einer schweren Geburt sein weisses Fohlen. Alle Versuche scheitern, die beiden zusammenzubringen, damit das Junge gesäugt wird. Also müssen sich zwei Nomadensöhne auf den Kamelritt in die nächste Stadt machen. Sie suchen einen Musiker, der durch seine Saitenklänge das Kamel verzaubern soll: denn, wenn es zu Tränen gerührt ist, wird es sein Junges annehmen.

Der Film lässt über seinen unkommentierten Bildern und Geschichten vergessen, dass es sich um eine Art Dokumentation handelt. Die Laiendarsteller zeigen ihr Leben, wie es ist, die Tiere sind nicht dressiert. Regie geführt haben Luigi Falorni und die Filmstudentin Byambasuren Davaa, die selbst aus der Mongolei stammt. Aus ihrer Kindheit kennt sie Wüste und Stadt sowie die Veränderungen durch die moderne Welt. Dies zeigt sie dem westlichen Publikum, ohne dabei das Nomadenleben zu verklären oder den Rummel der Stadt anzuklagen. Vielmehr gewährt die wunderliche Geschichte Einblick in eine bezaubernde Fremde.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Die Geschichte vom weinenden Kamel», Mongolei/D 2003, Regie: Byambasuren Davaa, Luigi Falorni, Besetzung: Janchiv Ayurzana, Chimed Ohin, Amgaabazar Gonson, Verleih: Filmcooperative Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch