Die geheime Inquisition

1998 öffnete der Vatikan für wenige Forscher erstmals die Archive der Inquisition. In den Räumen des „secretum secretorum“, des Geheimsten des Geheimen, lagern Prozessakten, Briefe und Notizen über Päpste und Ketzer, Spitzel und Denunzianten, Inquisitoren und verfolgte Denker. Dokumente, die belegen, wie Ketzer verurteilt oder gerettet wurden, wie Päpsten ins Amt verholfen oder wie ihre Befehle missachtet wurden.
Der neuseeländische Wissenschaftler Peter Godman, der Zugang zu den Archiven erhielt, verfasste über seine Recherchen und Einblicke ein Buch. Auf diesem basiert die dreiteilige Dokumentationsreihe (D 2002) von Yury Winterberg und Jan Peter, die jetzt auf ARTE zu sehen ist. Die Filme machen sich auf die Suche nach verschiedensten Fragen und Antworten rund um die Inquisition – erstmals nicht nur aus der Sicht der Opfer, sondern auch aus derjenigen der Richter.
Aufnahmen aus den Archiven des Vatikans wechseln sich ab mit Bildern von den Originalschauplätzen der Inquisition. Spielfilmszenen sollen es dem Zuschauer zudem erleichtern, sich in die Welt von damals zurückzuversetzen. Würdenträger des Vatikans und Kirchenhistoriker kommentieren die Inquisition aus heutiger Sicht.

Der ersten Teil „Feuer des Glaubens“ (19.10, 20.45) führt zurück in die Anfangszeit der römischen Inquisition, von ihrer Gründung 1542 bis zur Verbrennung des Philosophen Giordano Bruno im Jahr 1600. Der zweite Teil „Kerker des Geistes“ (26.10., 20.45 Uhr)erzählt von den geheimen Machtkämpfen zwischen Päpsten und der Inquisition in der Zeit zwischen dem 30-jährigen Krieg und dem Zeitalter der Aufklärung. Überraschende Erkenntnis in diesem Film: Selbst der Papst persönlich war häufig machtlos gegenüber dem Geschehen der Inquisition. Der letzte Teil der Dokumentation, „Der Wächter der Kirche“ (30.10., 20.45) schildert den Übergang von der alten Inquisition zu einer reformierten Behörde, der Glaubenskongregation, vollzogen in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Samstag, 19. Oktober, Samstag, 26. Oktober und Mittwoch, 30. Oktober, jeweils um 20.45 Uhr auf ARTE.