Der andere Kick – Amy Liptrots «Nachtlichter»

Viele meinen, etwas über die Alkoholsucht zu wissen – aber wie Amy Liptrot ihre Zustände und Abgründe, auch ihr «Trockenwerden» beziehungsweise «Trockenbleiben» beschreibt, das fesselt. Dazu die melancholischen, detailreichen Schilderungen dieses «Felsens», der ebenso verhassten wie für sie als Ex-Trinkerin überlebensnotwendigen Orkney-Inseln, ihrer Natur, Menschen, Geschichten. Trotz aller ihrer persönlichen Widrigkeiten und Härten: Man will da hin. Die 38-jährige Autorin ist beim Schreiben zuallererst hart mit sich selbst. Mal packend, mal berührend, schildert sie zwei Jahre ihrer mittlerweile sechs Jahre währenden Alkohol-Abstinenz in einem Mix aus Tagebuch und Blog. Vor der Einsamkeit der Orkneys ist sie vor gut 15 Jahren geflüchtet. Nach zehn Jahren in London, in denen sie es nicht schaffte, sich unter den Grossstadt-Hipstern zu behaupten, rettete sie sich zurück auf die winzige Orkney-Insel Papay. Und entdeckte die Einsamkeit für sich. Eine ihrer Ersatzdrogen: das eisige Wasser des Atlantiks