Departures
Der junge Cellist Daigo gerät in eine Krise, als sein Orchester aufgelöst wird. Er verabschiedet sich vom Traum des Berufsmusikers und geht zurück in seine Heimat, in den kalten Norden Japans. Seine Frau Mika begleitet ihn und sorgt für Wärme und Lebensfreude. Daigo wagt einen heimlichen Neuanfang als Bestattungs-Vorbereiter. Sein exzentrischer Chef Sasaki pflegt die Kunst des „nokan“, ein altes Ritual der Waschung und Einkleidung, das die verstorbene Person für die Bestattung bereitmacht. Nach erster Skepsis entdeckt Daigo seine neue Berufung und widmet sich ihr voller Leidenschaft.
Der Übergang vom Leben in das Reich der Toten ist religionsgeschichtlich von einer Vielzahl von Ritualen besetzt. Die reiche Tradition ist in der modernen Zivilisation jedoch weitgehend verloren gegangen. Und so trifft der japanische Film „Departures“ durch seine leibhaftige Erzählung den Nerv der Zeit. Der Originaltitel „Okuribito“ lässt sich mit „Wegschick-Person“ übersetzen, oder etwas prosaischer „Einsarger“. Wie die Japaner dieses Handwerk ausüben ist jedoch eine hohe Kunst, eine Offenbarung für die Lebenden angesichts des Todes. Die Kraft des Rituals ist so stark, dass sich die Energie nicht nur auf die Angehörigen im Film, sondern auch auf das Publikum überträgt. Da stockt der Atem angesichts der ästhetischen Wiederauferstehung des Leibes. Und so entpuppt sich der Film als Ode an das Leben angesichts des Memento Mori.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
„Departures“ („Okuribito“), Japan 2008, Regie: Yojiro Takita, Besetzung: Masahiro Motoki, Tsutomu Yamazaki, Ryoko Hirosue, Kazuko Yoshiyuki, Verleih: Rialto Film, Internet: http://www.rialto.ch, Filmwebsite: http://www.departures-themovie.com (englisch)
Kinostart: 8. Oktober 2009
| „Departures“ ist Film des Monats Oktober. Der Film des Monats ist als pdf abrufbar: medientipp.ch/pdf/filmtipp_200910.pdf Das Film-des-Monats-Archiv: https://www.medientipp.ch/index.php?na=3,2 |
