Colette, die Aufständische
Colette war ein aussergewöhnliches Schicksal beschieden. Sie wurde im 19. Jahrhundert in einem kleinen Städtchen im Burgund geboren; als sie 1954 im Alter von 80 Jahren starb, verabschiedete sich Frankreich mit einem Staatsbegräbnis und militärischen Ehren von seiner grossen Schriftstellerin. Es war das erste Mal, dass die Französische Republik einer Frau diese Ehre erwies; die Katholische Kirche hatte ihr das religiöse Begräbnis wegen «unschicklichen Benehmens» verweigert. Nach einer glücklichen Kindheit im Burgund verdiente sie ihren Lebensunterhalt mit anonymer Schreibarbeit, erlebte beide Weltkriege, wurde eine berühmte Schriftstellerin und Journalistin, hatte zahlreiche Liebschaften, mit deren erotischer Zurschaustellung sie so manchen Skandal auslöste, heiratete dreimal, wurde Mutter. Sollte man das, was Colette ausmacht, in wenigen Worten zusammenfassen, wären es Heldenmut, Kühnheit, Schöpferkraft und die feste Entschlossenheit, den eigenen Weg zu gehen
