CH:Filmszene. African Mirror

In den 50er-Jahren gehören Reisesendungen und Berichte aus fernen Ländern zu den beliebtesten Stoffen im Schweizer Fernsehen. In seiner Sendung «René Gardi erzählt» brachte Gardi Afrika in die Wohnstuben der Schweizer Bevölkerung. Zu einer Zeit, in der Reisen nach Afrika noch ein Wagnis für reiche Abenteurer war, zeigten seine Bilder eine angeblich heile Welt, die zur Projektionsfläche für die Sehnsüchte der Zuhausegebliebenen wurden. Im heutigen Kontext sind seine Bilder jedoch entlarvend. Bleiben doch die Bewohnenden Afrikas in Gardis Bildern lediglich Silhouetten und Körper, die selten zu Wort kommen. Mal bewundert er sie, dann äussert er sich despektierlich, nie spricht er sie als Gleichberechtigte an. Im Zweifel steht Gardi immer auf der Seite der Herrschaft. Unbewusst gab Gardi damit mehr von sich und seiner Haltung preis, als ihm lieb gewesen sein dürfte. In den ambivalenten Bildern spiegelt sich der europäische Blick auf Afrika und entlarven das Bildermachen als eine Form des Kolonialismus