Chaos
Man darf die ersten schnell geschnittenen Bilder dieses Films nicht verpassen: Nur ein paar Sekunden braucht die Regisseurin Coline Serreau, um den Zustand der Beziehung von Paul und Hélène, einem gut situierten Ehepaar, aufzuzeigen. Doch was zunächst noch belustigend wirkt, ändert sich unerwartet und brutal: Auf der Fahrt zu einer Soirée rennt ihnen eine von drei Typen verfolgte junge maghrebinische Frau direkt vor die Kühlerhaube und bittet um Hilfe. Während Hélène ein verständnisvolles Zeichen gibt, verriegelt Paul die Autotüren, und die Frau wird von den unschwer als Zuhälter erkennbaren Verfolgern blutig zusammengeschlagen. «Da war doch gar nichts!» sagt Paul zum Entsetzen von Hélène, reinigt mit Papiertaschentüchern die Windschutzscheibe und fährt – statt zur Polizei – in die nächste Autowaschanlage.
Damit ändert sich für Hélène die Welt. Anderntags meldet sie sich an ihrem Arbeitsplatz ab und macht die im Koma liegende Noémie in der Intensiv-Station eines Pariser Krankenhauses ausfindig, wo sie Tage und Nächte verbringt, während zu Hause allmählich chaotische Zustände entstehen, an denen auch Sohn Fabrice und seine Freundinnen teilhaben. Hélènes Anteilnahme steigert sich, als sie wahrnimmt, wie sich unbekannte Männer an Noémis Krankenbett schleichen. Als Noémie sich langsam erholt und Hélène von ihrer algerischen Familienherkunft und Prostituiertenexistenz erzählt, entwickeln sie eine Strategie zur Befreiung aus den heillosen Verstrickungen.
Die für französische Studiofilme charakteristische Geschichte ist reich an Ideen und komplex, aber nicht frei von Klischees. Als spannungsreiches Sozialdrama mit hohem Unterhaltungswert erzählt sie von Frauenemanzipation und Frauensolidarität, die auf Kosten der Männer geht.
Hans Hodel, Filmbeauftragter Reformierte Medien
«Chaos», Frankreich 2001, Regie: Coline Serreau, Besetzung: Catherine Frot, Rachida Brakni, Vincent Lindon, Line Renaud, Verleih: Frenetic Films, Bachstrasse 8, 8038 Zürich, Telefon: +41 (0)1 483 06 60, Fax: +41 (0)1 483 06 61, E-Mail: mailto@frenetic.ch, Internet: http://www.frenetic.ch, http://www.chaos-lefilm.com
Kinostart: ab 6. Juni in Zürich (Arthouse Nord-Süd), ab 13. Juni in Bern (Movie 1), Biel (Lido 1) und Freienstein (Neues Kino), ab 17. Juni in Basel
