Burning Days

Der junge und ambitionierte Staatsanwalt Emre wird in die Kleinstadt Yaniklar auf dem Land versetzt. Dort soll er die Entstehung unzähliger Sinkhöhlen, plötzlich auftauchender, riesiger Senken, untersuchen. Wahrscheinlichste Ursache für die Megalöcher ist der übermässige Gebrauch von Grundwasser, doch die Verantwortlichen wissen sich zu schützen – mit allen Mitteln.

Emre merkt rasch, dass im Dorf Freundlichkeit und Gastfreundschaft auch als perfide Instrumente der Kontrolle und Manipulation eingesetzt werden. Nach einer Raki-schwangeren Nacht beim amtierenden Bürgermeister, erwacht Emre mit einem Filmriss.

Seine Erinnerungen kehren nur bruchstückhaft zurück, auf sein Nachfragen bekommt er nur Andeutungen zu hören. Wem kann und soll er trauen? Kurz darauf bestätigt sich sein ungutes Gefühl als eine Vergewaltigung angezeigt wird. Emre weiss nicht, inwiefern er daran beteiligt war…

Emin Alper verwebt in «Burning Days» gekonnt das persönliche Ringen des jungen Staatsanwalts mit Recht und Unrecht mit einer Kritik an patriarchalen Machtsystemen. Diese beruhen auf Vetternwirtschaft und rücksichtslosen Männlichkeitsdemonstrationen wie dem öffentliche Zuschaustellen einer erlegten Wildsau oder der Abwertung von Frauen. Wer nicht mitmacht, dem werden homosexuelle Tendenzen unterstellt.

Alper setzt die buchstäblich aufgeheizte Atmosphäre visuell beeindruckend um, so dass das Publikum – wie auch die Hauptfigur – sich dem Sog des alptraumhaften Geschehens nicht entziehen kann.

Natalie Fritz, Religionswissenschaftlerin und Redaktorin Medientipp

«Burning Days» (Kurak Günler), Türkei 2022; Regie: Emin Alper; ProtagonistInnen: Selahattin Pasali, Ekin Koç, Erol Babaoglu; Verleih: Trigon; Homepage: http://www.trigon-film.org; Filmseite: https://www.trigon-film.org/de/movies/burning_days

Ab 20. Oktober 2022 im Kino