Broken Wings

Vor neun Monaten ist der Vater überraschend gestorben. Diesen Schicksalsschlag kann die in Haifa lebende Familie Uhlman kaum verkraften. Daphne und ihre vier Kinder geraten neben ihrem Schmerz auch noch finanziell in Bedrängnis. Die älteste Tochter Maya, die als schwarzer Engel mit Flügeln auf der Bühne ihre Songs probt, muss ihren ersten Auftritt wegen der Familienpflichten aufgeben. Yair zieht sich in ein lächerliches Mauskostüm zurück und verweigert den Schulbesuch. Die jüngste Tochter Bar hat Angst vor ihrem ersten Schultag und dem Alleinsein. Und der kleine Ido geht bis an seine körperlichen Grenzen, indem er sich in leere Schwimmbäder stürzt. Die Flügel der Kinder sind geknickt wie ihre Stimmung. Auch die Mutter, die als Hebamme sonst mit beiden Händen den Beginn des Lebens greift, will am liebsten im Bett liegen und schlafen.

Der israelische Regisseur Nir Bergman zeigt das alltägliche Leben einer Mittelschichtfamilie, die sich am Abgrund bewegt. Das politische Umfeld spielt dabei keine Rolle. Das ist irritierend, weil es vollständig unserem Bild Israels widerspricht. Das ist auch wohltuend, weil eine familiäre Krisensituation erlebbar wird, die nicht direkt mit der politischen Krise verbunden ist. In einem einfachen und stimmigen Erzählstil inszeniert Bergman in seinem Spielfilmdebüt ein bewegendes Drama über die Zerbrechlichkeit des Glücks.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

„Broken Wings“, Israel 2002, Regie: Nir Bergman, Besetzung: Orli Zilbershatz-Banai, Maya Maron, Nitai Gvirtz, Vladimir Freedman, Verleih: Monople Pathé Films, Internet: http://www.pathefilms.ch, http://www.brokenwings.co.il

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