Before Sunset
In Richard Linklaters Film «Before Sunrise» aus dem Jahre 1995 hatten sich der amerikanische Rucksacktourist Jesse und die französische Studentin Céline im Zug von Budapest nach Wien kennen gelernt. Nach dieser Zufallsbekanntschaft hatten sie eine Nacht lang in den menschenleeren Gassen und Parkanlagen Wiens wie verzauberte keusche Wesen herumgeturtelt und dabei über Gott und die Welt philosophiert. Beim Abschied versprachen sie einander, sich ein halbes Jahr später wieder zu treffen. Daraus sind neun Jahre geworden.
Wenn sie sich damals wie versprochen wieder getroffen hätten, gäbe es den bezaubernden Film «Before Sunset» nicht, und das wäre mehr als schade, denn die charmanten Protagonisten haben sich viel zu erzählen. Sie tun das in einer leichtfüssigen Spontaneität und faszinierenden Offenheit, als hätten sie sich nur einen kurzen Moment aus den Augen verloren. Wer gefühlvolles Kino mag und Lust hat, eigene Lebensentscheidungen zu hinterfragen, wird begeistert sein.
Seit ihrer ersten Begegnung hat sich einiges verändert. Jesse ist Schriftsteller geworden. Zufällig erfährt Céline von seiner Lesung in einer Pariser Buchhandlung und geht hin. Dort treffen sie sich wieder und es scheint zwischen ihnen wie ehedem zu prickeln. Dennoch wird schnell klar, dass sie beide nicht mehr so ungetrübt glücklich sind wie damals. Was wäre wenn …? «Eine Anti-Hollywood-Romanze und Lovestory für Realisten», sagt Linklater.
Hans Hodel, Filmjournalist Bern
hanshodel@swissonline.ch
«Before Sunset», USA 2003, Regie: Richard Linklater, Besetzung: Ethan Hawke, Julie Delpy, Verleih: Fox-Warner, Internet: http://www.fox-warner.ch
