Bamako

Gewitzt und zugleich herb ist die Idee von Regisseur Sissako, einen einfachen Innenhof zum Gerichtshof zu erheben, um über Staatsverschuldung und die Chancen der Globalisierung verhandeln zu lassen – und das mitten in Bamako, der Hauptstadt Malis. Zur Rechenschaft gezogen werden Weltbank und IWF als mögliche Verantwortliche für die zunehmende Verarmung Afrikas. In den Richter- und Anwaltsroben stecken echte Juristinnen und Juristen, als Zeugen der Anklage treten Einwohner Malis auf, ein Bauer, eine Schriftstellerin und andere. Ein kurioses Szenario, das alles andere als trockene Juristerei erzeugt. Das Ganze wird gerahmt von der Geschichte einer Barsängerin und ihrer Familie sowie der benachbarten Färberei.

Indem sich die Dokumentation des Gerichtsexperiments mit den fiktiven Randgeschichten vermischt, entsteht das Vexierbild eines afrikanischen Landes zwischen Resignation und Aufbruch. Einen eigenartigen Kontrast bieten die juristischen Amtskleider mit ihrer europäischen Prägung, quasi Relikte aus Kolonialzeiten, zu der bunten Betriebsamkeit in der Färberei. Als Film im Film wird ein absurder Afrika-Western mit Künstlern wie Danny Glover oder Elia Suleiman gezeigt. Die Dominanz des Nordens, auch die Deutungshoheit der Welt an sich, sie ist das eigentliche Thema von „Bamako“, das aus tiefster Betroffenheit heraus alles andere ist als simples Betroffenheitskino, sondern ein politisch brisanter und zugleich unterhaltsamer Film.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

„Bamako“, Mali 2006, Regie: Abderrahmane Sissako, Darsteller: Aïssa Maïga, Tiécoura Traoré, Hélène Diarra, Roland Rappaport, William Bourdon; Verleih: trigon-film, E-Mail: info@trigon-film.org, Internet: http://www.trigon-film.org

Beiträge zu „Bamako“ inklusive Gespräch mit Abderrahmane Sissako sind im TRIGON-MAGAZIN 35 erhältlich.
Bestellung: trigon-film, Telefon: 056 430 12 30, E-Mail: magazin@trigon-film.org, Internet: http://www.trigon-film.org