Avé

Eine junge Frau und ein junger Mann reisen per Autostopp von Sofia in den Norden Bulgariens. Es ist eine Zufallsbekanntschaft zweier Einzelgänger, die doch so gerne ein Gegenüber hätten. Ausgerechnet nach der Frau, Avé, ist der Film benannt, obwohl bei dieser chronischen Lügnerin nicht einmal der Name als sicher gelten kann. Kamen ist jedenfalls schon bald davon genervt, dass man nie recht weiss, woran man bei Avé ist.

In dem Roadmovie durch das filmerisch wenig bekannte Bulgarien wechseln sich postsozialistische Tristesse und vorbeiziehende Landschaften ab. Die Menschen, denen Avé und Kamen auf ihrer Reise begegnen, sind weniger wichtig als das, was diese Begegnungen jeweils zwischen den beiden auslösen. Die Erzählung bleibt dicht bei ihren zwei umherlichternden Seelen, deren Vergangenheit nur punktuell ausgeleuchtet wird. Ihre Zukunft bleibt im Ungewissen, und so spiegelt sich auch vor allem Suche und Ratlosigkeit in den Gesichtern der bislang unbekannten, aber brillanten Darstellenden. Der Wandel von einer Notgemeinschaft zu echter Nähe und sogar Liebe vollzieht sich im Stillen, wirkt aber an keiner Stelle unglaubwürdig. Der Film liefert eine stille, ja geradezu meisterhafte Momentaufnahme eines Landes im Osten Europas. Und man ist gespannt auf mehr von Regisseur Konstantin Bojanov und seinem Cast.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Avé», Bulgarien 2011, Regie: Konstantin Bojanov, Besetzung: Anjela Nedyalkova, Ovanes Torosyan, Martin Brambach, Svetlana Yancheva; Verleih: trigon-film, http://www.trigon-film.org, Filmwebsite: http://www.trigon-film.ch/de/movies/Ave

Kinostart: 19. April 2012

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Reflexe. «Avé» – Ein bulgarisches Roadmovie (DRS2 vom 10. April 2012)