Auf der anderen Seite
«Liebe, Tod und Teufel» soll die Trilogie des türkischdeutschen Regisseurs Fatih Akin einmal umfassen. Nun liegt der zweite Teil vor, der ruhiger und epischer daher kommt als der explosive Erfolgsfilm «Gegen die Wand». Seine Story ist um einiges komplexer, doch es gelingt, den Überblick über die sechs ineinander verwobenen Lebensgeschichten zu behalten, die zwischen Deutschland und der Türkei aufgespannt werden. Den Rahmen bildet ein Vater-Sohn-Konflikt zwischen einem Gastarbeiter und seinem Sohn, der es zum Germanistikprofessor gebracht hat. Eine türkische und eine deutsche Mutter-Tochter-Konstellation kreuzen ihre Wege, und auch der Tod bleibt nicht aus.
Akin setzt auf Gegensätze und wechselt gekonnt zwischen den verschiedenen Handlungsorten. Er fängt die Atmosphäre der Schauplätze sehr genau ein, sei es eine Uni-Mensa in Hamburg oder das Gassenwirrwarr in Istanbul. Dabei hat er auch die politische Realität in der Türkei im Blick, eine der Figuren ist Menschenrechtsaktivistin. Zuweilen wirkt der Film jedoch etwas holzschnittartig und konstruiert. Seine Stärken entfaltet er, wenn die Verlorenheit seiner Figuren spürbar wird. Bei allen kulturellen Unterschieden eint sie die Sehnsucht nach einem Ort, den sie ihr Zuhause nennen können. In Cannes gewann der Film den Preis der Ökumenischen Jury.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Auf der anderen Seite», Deutschland 2007, Regie: Fatih Akin, Besetzung: Nurgül Yesilcay, Baki Davrak, Patrycia Ziolkowska, Hanna Schygulla; Verleih: Cineworx, Internet: http://www.cineworx.ch, Filmwebsite: http://www.auf-der-anderen-seite.de
Filmstart: 4. Oktober 2007
| Ökumenischer Preis für deutsch-türkischen Film in Cannes https://www.medientipp.ch/index.php?na=4,3&meid=75963 Bericht Cannes 2007 |
