Angèle et Tony
Gibt es ein Leben ohne persönliche Geschichte? Für Angèle, die in der Normandie in einem Dorf eintrifft und hier auf dem Fischmarkt arbeitet, scheint es so. Sie zieht bei Tony ein und arbeitet für den Familienbetrieb. Bald schon entwickelt sich zwischen den beiden eine scheue Beziehung. Doch Hindernisse gibt es viele. Angèle ist alleinerziehende Mutter und riskiert das Sorgerecht für ihren Sohn Yohan zu verlieren. Das verheimlicht sie vor Tony, der seinerseits nicht glauben kann, dass sich die schöne junge Frau für ihn interessiert. Immerhin ist er ein Fischer und lebt noch im Haus seiner Mutter. Beide Hauptfiguren leben in sozial und wirtschaftlich prekären Verhältnissen, sind von inneren Konflikten zerrissen.
Wie der Film die vorsichtige Annäherung zeigt, ist das Erstaunliche an diesem Autorinnenfilm. Mit einer präzisen und schönen Bildsprache geht Alix Delaporte in diese Geschichte hinein, erzählt Ellipsen aus dem Alltag. Dabei gibt es auch märchenhafte Züge, geschieht doch der erste Kuss ausgerechnet bei einer Schülertheater-Aufführung von Schneewittchen. Durch den empathischen Blick entsteht eine Komplizenschaft mit diesem ungewöhnlichen Paar, das wir gerne als neue heilige Familie sehen. So geschieht etwas, das angesichts der genauen Schilderung der sozialen Verhältnisse einem Wunder gleichkommt. Die Fiktion ist authentischer als das wirkliche Leben: ein Filmwunder der leisen Töne.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
«Angèle et Tony» Frankreich 2010, Regie: Alix Delaporte, Besetzung: Clotilde Hesme, Grégory Gadebois, Evelyne Didi; Verleih: Xenix Filmdistribution, http://www.xenixfilm.ch
Kinostart: 28. Juli 2011
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