Akte Grüninger

Im August 1938 beschloss der Bundesrat die Schweizer Grenze für jüdische Flüchtlinge zu schliessen. Unter Missachtung dieser Weisung rettete der Polizeihauptmann Paul Grüninger das Leben von mehreren hundert Flüchtlingen vor der nationalsozialistischen Verfolgung. In sorgfältig nachgespielten Szenen zeigt Regisseur Alain Gsponer die Situation an der Rheinbrücke von Diepoldsau, die Einquartierung der Flüchtlinge in einer alten Stickereifabrik, die freundliche Aufnahme durch die Bevölkerung sowie Szenen aus dem Alltag der Familie Grüninger.

Im direkten Vergleich mit dem Dokumentarfilm «Grüningers Fall» von Richard Dindo aus dem Jahre 1997 fällt auf, dass Gsponer viel stärker auf das Erlebnis der Ereignisse, die emotionale Bewegung und das Lokalkolorit setzt. Ein Zugeständnis an die Kinodramaturgie ist der Konflikt zwischen dem ehrgeizigen Polizeiinspektor Robert Frei aus Bern und dem menschfreundlichen Grüninger. Damit wird geschickt der politische Konflikt zwischen dem Bund und dem Kanton St. Gallen personifiziert. Gsponer schliesst mit den Archivbildern, mit denen Dindo seinen Film eröffnet hat: Paul Grüninger steht als alter, gebrochener Mann an der Brücke von Diepoldsau. Er hat alles verloren, wurde fristlos entlassen und 1940 verurteilt. Er geriet in Vergessenheit, aber die Geschichte hat ihm Recht gegeben. Die Doku-Fiktion setzt ihm nun ein filmisches Denkmal.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Akte Grüninger», Schweiz 2014, Regie: Alain Gsporner, Besetzung: Stefan Kurt, Max Simonischek, Anatole Taubman, Helmut Förnbacher; Verleiher: The Walt Disney Company (Switzerland) GmbH, Filmwebsite: http://www.grueninger-film.com

Kinostart: 30. Januar 2014

«Akte Grüninger» ist unser Film des Monats Februar und als pdf abrufbar. Film-des-Monats-Archiv

zum Unterrichtsmaterial

SRF 1 zeigt «Grüningers Fall» Mittwochnacht, 5. Februar, 00:10 Uhr