2001: A Space Odyssey
Mit «2001: A Space Odyssey» kommt Mitte Juni die restaurierte und um fünfzehn Minuten ergänzte Fassung eines Films wieder in die Kinos, der bereits 1968 grosses Aufsehen erregt hat und seither als meistzitierter Film der Kinogeschichte und unumstrittenes Meisterwerk im Bereich des Science-fiction-Films gilt. Basierend auf Motiven von Homers „Irrfahrten des Odysseus“ und Arthur C. Clarks Kurzgeschichte «The Sentinel» («Der Wächter») hat der Film die Entwicklungsgeschichte der Menschheit zum Thema. Seine Vision von der Wiedergeburt eines neuen Menschen hat das Vierteljahrhundert seit seiner Entstehung unbeschadet überdauert, und obwohl man dem Film heute nüchterner begegnet, wirkt er moderner und herausfordernder als viele andere Produktionen seines Genres.
Ein geheimnisvoller schwarzer Monolith, der offenbar von Ausserirdischen stammt, verursacht in grauer Vorzeit die Entstehung von Intelligenz und den «Aufbruch der Menschheit», wird Jahrtausende später von Wissenschaftlern auf dem Mond entdeckt und lockt ein Forschungsraumschiff in Richtung Jupiter. Die Mission endet durch das Versagen des Bordcomputers mit einer Katastrophe; der einzig überlebende Astronaut begegnet der ausserirdischen Macht und erfährt eine kosmische Wiedergeburt.
Kubrick hat während der dreieinhalb Jahre dauernden Dreharbeiten keinen Aufwand gescheut, um in «2001: A Space Odyssee» die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Spekulationen einfliessen zu lassen. Das ist ihm so überzeugend gelungen, dass die Nasa den Film später zu Ausbildungszwecken einsetzte und der Apollo-8-Besatzung vor dem Start zum Mond zeigte. Der 1999 verstorbene Kubrick erlebt die Wiederaufführung im Jahr 2001 nicht mehr, und er kann selber nicht mehr Stellung beziehen zur Frage nach dem Realitätsbezug des Films. Aber es ist anzunehmen, dass er mit der Zahl 2001 kein konkretes Jahr, sondern schlicht und abstrakt die Zukunft und Geburt eines neuen Milleniums im Auge gehabt hat. Die Art und Weise, wie sich der Film den Luxus leistet, Zeit vorzuführen und erlebbar zu machen, schafft jedenfalls den nötigen Raum, über die Gegenwart hinaus zu denken und den Bogen zwischen Anfang und Ende, Ende und Anfang zu spannen.
Hans Hodel, Filmbeauftragter der Reformierten Medien
«2001: A Space Odyssee», Regie: Stanley Kubrick. Verleih: Warner Bros. (Transatlantic), Zürich.
Kinostart (in Zürich, Basel, Bern): 14.Juni
